Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/109/
5. Kapitel. 
Struktur der Fliistervokale und Konsonanten. 
Zwei Fragen tauchen jetzt für unsere Untersuchung auf: 
1. Wenn die stimmhaften Vokale durch Teiltöne von fester Höhe 
charakterisiert sind, was charakterisiert geflüsterte Vokale, und 
was ist ihnen mit den gesungenen gemeinsam ? 2. Was unterscheidet 
stimmlose Konsonanten von den stimmlosen Vokalen, und 
was ist ihnen mit den stimmhaften Konsonanten gemeinsam, 
von denen manche doch wieder den stimmhaften Vokalen so 
nahe stehen wie das M dem U? 
Hier liegen überall Paradoxien, die zu etwas tieferem Eindringen 
in die Phänomenologie der Gehörsempfindungen zwingen. 
I. Klänge und Geräusche, Yokale und Konsonanten, 
stimmhafte und stimmlose Sprachlaute. 
1. Klänge und Geräusche sind spezifisch verschiedene Ge¬ 
hör serscheinungen, die darum rein erscheinungsmäßig nicht defi¬ 
niert, sondern nur durch Beispiele erläutert werden können. 
Unsere Sinnesempfindungen zerfallen zunächst in Gattungen, wie 
Licht- und Schallempfindungen, innerhalb dieser Gattungen aber 
wieder in Arten. So haben wir unter den Gesichtsempfindungen 
die farbtonlose Schwarz-Weiß-Reihe und die getönten oder im 
engeren Sinne farbigen Empfindungen, wie Rot, Blau. Diesem 
Unterschied entspricht im Gehörssinne nach vielen (nicht allen) 
Seiten hin der von Geräuschen und Klängen. Wie man für den 
Unterschied der Grauerscheinungen von den farbigen in erster 
Linie das Auge als Zeugen hat, so für den von Geräuschen und 
Klängen das Ohr. Aus Anschauungen muß man sich diese Elemen¬ 
tarbegriffe bilden und auf Grund der Anschauung auch wieder die 
Einzelerscheinung dem Begriffe unterordnen. Die Erfahrung zeigt 
allerdings auch in den Gesetzlichkeiten der so unterschiedenen 
Teilgebiete bemerkenswerte Verschiedenheiten, die den wissen¬ 
schaftlichen Begriff vervollständigen. Aber Grundlage der Unter¬ 
scheidung bleibt auch in wissenschaftlicher Hinsicht immer das 
einfache Gehör.
        

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