Bauhaus-Universität Weimar

Erscheinungen und psychische Funktionen. 
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keit. Die Gebilde können nicht begriffen werden ohne die Funktionen 
und umgekehrt. Hier wäre Spinozas Formel »Unumquodque per se concipi 
debet« nicht gültig. Wenn wir ein Gebilde begrifflich denken, etwa einen 
Sachverhalt beim Aussprechen eines isolierten Daß-Satzes, so muß not¬ 
wendig die bezügliche Funktion, hier das Urteilen, ihrem Allgemeinbegriffe 
nach mitgedacht werden; nur wirklich stattzufinden braucht sie nicht, und 
den individuellen Akt brauchen wir nicht mitzudenken. 
Eine weitere Frage könnte endlich von hier aus hinsichtlich der Ver¬ 
hältnisse aufgeworfen werden. Wir haben sie nicht unter die Erschei¬ 
nungen selbst gerechnet, aber auch nicht unter die Funktionen. Man 
könnte nun versuchen, sie unter den Begriff der Gebilde zu bringen. Ich 
halte dies nicht für möglich. Doch würde die Begründung hier unnötig 
vom Wege abfahren.1 
1 Mit den vielfältigen Untersuchungen Meinongs und seiner Schüler über Kom¬ 
plexionen, Gegenstände höherer Ordnung, ideale Gegenstände berühren sich obige Darlegungen 
in mancher Hinsicht, während sie sich in anderer davon entfernen. Das gleiche gilt gegen¬ 
über Ebbinghaus’ Begriff der »Anschauungen«. Es tritt eben an vielen Punkten in der neueren 
Psychologie das Bedürfnis zutage, von den Erscheinungen noch ein anderes zu scheiden, 
das gleichwohl Bewußtseinsinhalt ist. Vgl. den Schluß dieser Abhandlung. 
Die Genauigkeit erfordert hinsichtlich der hier so genannten Gebilde noch eine Unter¬ 
scheidung, die wir nicht ganz übergehen wollen. Mit Recht weist Husserl daraufhin, daß 
die Begriffe »gleichseitiges Dreieck« und »gleichwinkliges Dreieck« verschieden sind und 
doch dasselbe meinen. Èr spricht daher von verschiedener »Bedeutung« bei gleichem »Ge¬ 
genstand«. Ebenso habe das Urteil »a>ö« gegenüber »b < a« verschiedene Bedeutung, 
drücke aber denselben Sachverhalt aus (Log. Unt. II, 46 f.). Es verhält sich ähnlich auch 
bei Inbegriffen: a + b und b + a sind dieselbe Summe, eine transponierte Melodie dieselbe 
Melodie, und doch sind die Inbegriffe, als Gebilde betrachtet, nicht identisch. Ähnliches 
dürfte sich bezüglich der Werte sagen lassen (ich ziehe a dem b vor, ich verwerfe b 
gegenüber à). Doch wird es nicht nötig sein, um deswillen einen ganz neuen Begriff gegen¬ 
über dem der Gebilde einzuführen, sondern nur, das Wesentliche eines Gebildes von 
den unwesentlichen Modifikationen zu scheiden. Unwesentlich aber nennen wir hierbei 
alles, was für den Denkgebrauch (bzw. bei Werten für die weiteren Gefühle, Willensakte, 
Handlungen) keinen Unterschied macht. Es ist der in der Logik bekannte Begriff der Äqui¬ 
valenz, der hier auftritt. Man kann eben aus a>b und aus b
    

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