Bauhaus-Universität Weimar

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Stumpf: 
tellektuelle Verknüpfung nennen. Alles Genannte gehört noch zum Material. 
Die Frage ist vielmehr die: oh Töne, die der Hörende bereits in bestimmter 
Folge, bestimmtem Tempo, bestimmten Stärkeverhältnissen vorfindet, nun 
immer noch in verschiedener Weise von ihm gedanklich verknüpft werden 
können, und ob, wenn dies geschieht, dabei notwendig etwas an dem 
Material geändert wird, bzw. neues Material (z. B. von Muskelempfindungen) 
hinzukommt. 
Man sieht, daß die Frage weniger einfach liegt, als man anfänglich 
glauben möchte. Es können sehr minutiöse Erscheinungsunterschiede in 
Betracht kommen. Dennoch ist wahrscheinlich, daß, auch so die Frage 
verstanden, das nämliche Material von einem Individuum als einheitliches 
Ganzes aufgefaßt, von einem anderen aber überhaupt nicht oder nur zu 
einem gewissen Teil oder mit einer veränderten Gruppierung (Phrasierung) 
zur Einheit verbunden wird und von demselben Subjekt bald so, bald 
anders verbunden werden kann. Das häufige Auftreten begleitender Muskel¬ 
aktionen, auch schon bei der bloßen Vorstellung eines Rhythmus, kann 
nicht geleugnet werden ; ganz essentiell dürften sie aber nicht sein. Eben¬ 
sowenig Augenbewegungen bei Gesichtseindrücken, wenn miter einer An¬ 
zahl ganz regelmäßig verteilter Punkte je vier oder je sechs zu einer Gruppe 
zusammengefaßt werden. Immerhin muß der experimentellen Psychologie 
das letzte Wort verbleiben, und sie hat noch kaum ihr erstes gesprochen.1 
Als eine weitere intellektuelle Funktion mögen wir die Bildung von 
^Allgemeinbegriffen ins Auge fassen. Wie man auch sonst über das 
Wesen der Begriffe denke — die Frage ist immer noch die schwierigste 
Tön; allen, die die Psychologie der Verstandestätigkeiten betreffen — : so¬ 
viel steht fest, daß sie weder in eine bloße Summe noch in einen bloßen 
Durchschnitt von Einzelvorstellungen aufgelöst werden können. Und was 
ihre Entstehung betrifft, so ist soviel klar, daß sie erfolgt ohne Veibiauch 
und ohne Produktion von Einzelvorstellungen und ohne inhaltliche Ver¬ 
änderungen an ihnen. Unter bestimmten Umständen tritt (ich spreche 
hier zunächst von einfachsten Begriffen wie Farbe oder Gleichheit) außer 
i Fr. Schümann hat den Einfluß des Zusammenfassens auf geometrisch - optische 
Täuschungen eingehend untersucht (Psychologische Studien, 1. Abt., i. Heft, 1904). Auch 
bei den Inversionsfiguren dürfte er eine Rolle spielen. Durch sorgfältiges Studium smnhc er 
Einzelgebiete wird man zu Gesetzen des Zusammenfassens gelangen, die auch tur die dlieone 
der begrifflichen Synthese von Bedeutung werden können.
        

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