Bauhaus-Universität Weimar

Erscheinungen und psychische Funktionen. 
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sammen. Fast alle Einwendungen dagegen ruhen auf der Verwechselung 
der Begriffe »Verschmelzung« und » Nichtvorhandensein eines Unterschei¬ 
dungsaktes«. Beides fallt aber tatsächlich durchaus nicht zusammen, wenn¬ 
gleich unter ganz speziellen Umständen das eine als Erkennungsmerkmal des 
anderen dienen kann. Ebenso wie die Ähnlichkeit ist auch die Verschmel¬ 
zung, wie ich das Wort verstehe, ein Verhältnis, das unabhängig von 
allen intellektuellen Funktionen den Tonerscheinungen selbst immanent 
ist. Verschmelzung verhält sich zum Einheitsurteil wie Ähnlichkeit zur 
Verwechselung. Die Ähnlichkeit zweier Gegenstände kann Ursache sein, 
daß sie mit einander verwechselt werden. Man kann daher Verwechse¬ 
lungsurteile unter bestimmten Umständen (wenn nämlich alle anderen Ur¬ 
sachen ausgeschlossen werden) als Beweis fiir eine vorhandene Ähnlichkeit 
benützen. Aber man darf doch nicht um deswillen die Ähnlichkeit als 
Verwechselung zweier Gegenstände definieren. Es kann eine starke 
Ähnlichkeit zweier Eindrücke vorhanden sein, ohne daß Verwechselung statt¬ 
findet, und umgekehrt. Genau -so verhält es sich mit der Verschmelzung 
gegenüber den Einheitsurteilen. Vielleicht darf ich hoffen, daß durch die 
Einfügung in die vorliegenden allgemeineren Betrachtungen, der springende 
Punkt der Lehre, auf den ich übrigens auch früher stets hin wies, noch 
mehr ins Licht gestellt wird. 
Als eine Grundfunktion unseres intellektuellen Lebens ist ferner seit 
Plato vielfach das Zusammenfassen angesehen worden. Es scheint mir 
in der Tat, daß dabei nicht etwa nur eine Wahrnehmung von Verhält¬ 
nissen, auch nicht eine bloße Übertragung des abstrakten Begriffes »Ganzes« 
auf gegebene Elemente stattfindet, sondern daß eine Funktion eigener Art 
hinzukommt. Eine Anzahl unterschiedener Einzelinhalte, Tasteindrücke, 
Striche, Töne, können zu einem Ganzen, einer Figur, einem Rhythmus, 
einer Melodie verknüpft werden. 
Hier ist nun wiederum die Frage, ob durch solche Verknüpfungen 
die Erscheinungen selbst irgendwie modifiziert werden. Dabei ist zu be¬ 
achten, daß zu den Erscheinungen nach unserer Definition auch die räum¬ 
liche Größe und Anordnung gehört, ebenso die bestmimte Zeitfolge und 
Dauer, die bestimmte Rhythmisierung (StärkeVerteilung), kurz alles, was 
die Figur als solche oder den Rhythmus als solchen charakterisiert. Es 
handelt sich also nicht etwa um die Zusammenfassung einer an sich ungeord-, 
neten Summe von Eindrücken; nicht hierin soll das bestehen, was wir in-
        

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