Bauhaus-Universität Weimar

Die pseudo-aristotelischen Probleme über Musik. 
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Bedarf keines weiteren Comnientars 
Das lange Pr. 43 wirft nun eine äußerlich gleichlautende, aber doch 
(wie bereits Bojesen hervorhebt) wesentlich verschiedene Frage auf: »Warum 
ist der Einzelgesang angenehmer, wenn man zur Flöte als wenn man zur 
Lyra singt?« Es handelt sich also wieder um begleiteten Gesang, aber 
nicht um begleiteten gegenüber dem unbegleiteten, sondern um den Unter¬ 
schied zwischen Flöte und Lyra in der Begleitung1 2. Dies ergiebt sich 
evident aus der Lösung. Es hat den Anschein, als ob der Verfasser dieses 
Problems das Pr. 9 vor sich gehabt, aber die Frage misverstanden hätte. 
So ist in Wahrheit nicht blos eine neue Lösung, sondern ein neues Problem 
entstanden. 
Der Grund wird 1. darin gefunden, dafs die Flöte an sich angenehmer 
ist als die Lyra, weshalb denn auch die Mischung der Stimme mit ihr 
angenehmer ist; oder 2. darin, dafs die Mischung als solche gleichmäfsiger 
ist; oder endlich 3. darin, dafs die Flöte durch ihren (dauernderen) Klang 
und ihre (gröfsere) Ähnlichkeit (mit der Stimme) viele Misgriffe der Stimme 
verdeckt, während die Lyraklänge, die sich mit der Stimme weniger mischen 
und ihrerseits genau (abgestimmt) sind, das Fehlgreifen der Stimme wie 
ein Mafsstab offenbar machen. Wenn nun viele Misgriffe im Gesang Vor¬ 
kommen, mufs notwendig <^er Gesammteindruck (to koivov è£ àfi(f>o7v) 
schlechter ausfallen. « 
Die erste und dritte Erklärung, die hier unverkürzt wiedergegeben 
sind, bedürfen keiner Erläuterung. Die zweite haben wir vorläufig in nuce 
1 Es ist mir unbegreiflich, wie Ruelle dieses Problem so ganz misverstehen konnte, 
nachdem Reinach, den er anfuhrt, es bereits klar gemacht hatte. Im Text ist der über¬ 
lieferte Satz ei yàp en päAAov to avrô, vAéov ëoei vpos voAAoiis avKijrâs, mi êrr rj&ov eivai (mit 
dieser Interpunction bei Bekker) so nicht möglich. Jan's Lesung: ei yàp èrepire pâAAov ri 
avrô vAeiovas aSeiv, ëoei vpos voAAovs avAtjras mi K. r. A. giebt den Sinn am besten wieder. 
Doch könnte man auch ohne die etwas kühne Änderung e-rvpve mit Sn statt Sn auskommen, 
indem man dann zu päAAov ergänzt qSv (wie in Pr. 38 s. o. S. 58). Das Übersehen von 
SSeiv liel’se sich aus dem darauffolgenden eSei wol begreifen. Andrerseits ist aber SSeiv 
= Tongebung überhaupt (auch der Instrumente) ungebräuchlich, und es könnte das Verbum 
schon ursprünglich (ebenso wie >i8v) im Satze gefehlt haben, dergleichen Elisionen kommen 
in den Problemen wie schon bei Aristoteles selbst vor. 
* Der Unterschied tritt hervor, wenn man in die Fragestellung bei diesem Problem 
das dazu im Grunde notwendige vpos einschaltet, das darum auch Jan einfügt: Aià r! ijSiov 
Trjs [lovùfëîas àmvopev, èàv vpos avAov rj [vpos) Avpav aSy ; 
Die Wendung èàv SSy mit Auslassung des Subjectes ebenso in Pr. 16 und 18.
        

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