Bauhaus-Universität Weimar

Die pseudo-aristotelischen Probleme über Musik. 
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in den Rhythmen als in der Anordnung der Töne nach Höhe und Tiefe 
— nicht aber in der Mischung, die Consonauz vielmehr hat kein Ethos —; 
während bei den übrigen Sinnesempfindungen dies (die erwähnte Ähnlich¬ 
keit) nicht stattfindet. Diese Bewegungen sind aber handelnder Art (rcpaK- 
Tiicai), und die Handlungen sind ein Zeichen (trrtpaaia) des Ethos.« 
Pr. *29 wirft von vornherein die Frage nur fur Rhythmus und Melos* 1 
auf und antwortet kurz: »Etwa weil sie Bewegungen sind, ähnlich wie 
die Handlungen (wcnrep Kal ai npa^eis). Die Thätigkeit* ist aber etwas 
Ethisches und bewirkt Ethos. Die übrigen Sinnesempfindungen wirken 
nicht in gleicher Weise«. 
Zu Pr. 27 ist Manches zu erläutern. Vor allem: unter der dem Schall 
nachfolgenden Bewegung sind nicht etwa die physiologischen Bewegungen 
im Organismus verstanden3, sondern die empfundenen Veränderungen der 
Intensität und Höhe der Töne, worin Melodie und Rhythmus selbst be¬ 
stehen. Darum heifst es: Kivrjaiv e%ei (to cucovatov). Wol liegen nach 
den Anschauungen der aristotelischen Schule allen Empfindungen physio¬ 
logische Bewegungen zu Grunde. Aber was der Verfasser hier im Auge 
hat, ist nicht die physiologische, sondern die psychologische Seite der 
Sache, die Modificationen der Gehörsempfindungen selbst, wie sie unsrem 
Bewufstsein gegeben sind. Das Wort Ktvriais wird also hier weder im 
physisch - räumlichen Sinne (wogegen der Verfasser selbst sich verwahrt), 
noch im physiologischen, sondern in èinem geistigen, übertragenen Sinne 
gefafst; wie wir solchen Sprachgebrauch auch bei Plato und Aristoteles 
öfters finden. Doch kann nicht jede Veränderung der Empfindung gemeint 
sein, da auch bei anderen Sinnen Veränderungen nach Intensität und Qua¬ 
lität Vorkommen, sondern nur wieder geordnete Veränderungen. Nur l>ei 
den akustischen Eindrücken lassen sich, meint der Verfasser, feste Abstu¬ 
fungen sowol in zeitlicher Hinsicht (Rhythmus) wie in qualitativer (musika- 
des Problems (ai êè mvijVrs avrai xpaimica! eia-iv) ergiebt. Denn dieser Satz ist es, der den 
Kettenscldufs folgerichtig weiterführt. 
1 Der Zusatz ] ovo-a bedeutet wol: worin der Gesang besteht (Gnza: »qui voces 
sunt«, Bussemaker: »qui ad vocem pertinent»). 
* èvépyeia verstehe ich hier nicht mit Jan im Sinne der aristotelischei^Korm (Wirklich¬ 
keit) als Gegensatz zu den nur Svväpet existirenden geschriebenen Gesängen, sondern einfach 
und ohne Metaphysik als das Thätigsein, èvepyeîv. 
3 wie sie z. B. Plato im Timaeus p. 67,6 und 80,a beschreibt und zur Erklärung von 
Consonanz und Dissonanz verwendet.
        

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