Bauhaus-Universität Weimar

5. Substanz als das Einheitliche in der Vielheit der Eigenschaften 29 
beredten Ausdruck gegeben. In bezug auf die wesentlichen Eigen¬ 
schaften (Attribute) hatte schon Spinoza diese Auffassung. Die 
Substanz ist ihm nichts anderes als die Gesamtheit der Attribute. 
e. Apriorisches Substanzgesetz 
Wir sprachen hier nur vom Begriffe der Substanz, nicht von 
Sätzen oder Erkenntnissen, die sich auf das Verhältnis der Eigen¬ 
schaften zur Substanz beziehen, da wir diese beiden Fragen prinzi¬ 
piell unterscheiden. Aber eine Bemerkung bietet sich leicht auch 
in dieser Richtung. Der Satz: ,,Jede Eigenschaft muß in 
einer Substanz wurzeln“ (an einer Substanz haften, Satz der 
Inhärenz) erweist sich als selbstverständlich oder apriorisch. Wir 
drücken ihn nach dem Vorangehenden so aus: ,,Jede Eigenschaft 
muß einem Ganzen von Eigenschaften angehören.“ Vor allem 
leuchtet er ein, wenn wir die Urphänomene ins Auge fassen, die 
der Bildung des Substanzbegriffes zugrunde liegen. Denn an den 
Tönen und Farben ist es klar, daß niemals eine Qualität, eine 
Intensität usw. für sich existieren kann, da sie nur Abstraktionen 
aus einem einheitlichen Sinneseindruck sind. Eine Qualität oder 
Intensität als sinnliches Phänomen ist ihrer Natur nach Qualität 
einer Farbe, eines Geschmackes usf. und nicht denkbar ohne die 
Empfindung, deren Qualität sie ist. Gleiches gilt von den Be¬ 
wußtseinsfunktionen, die innerhalb eines gegebenen Gesamt¬ 
zustandes unterschieden werden können. Wenn auch vielleicht ein 
bloß vorstellendes Wesen ohne jede sonstige intellektuelle oder 
emotionelle Funktion denkbar wäre, so ist doch an jeder Funktion, 
auch dem bloßen Vorstellen, ihrer Natur nach zum mindesten der 
Akt selbst und sein Inhalt zu unterscheiden. Es ist schlechterdings 
keine wahrnehmbare Eigenschaft, kein wahrnehmbarer Zustand 
denkbar, an welchem nicht eine Mehrheit von Veränderungs¬ 
richtungen unterschieden werden könnten. 
Nun ist freilich die Frage, ob man voraussetzen darf, daß das, 
was wir in der objektiven Welt Eigenschaften und Dinge nennen, 
sich genau analog zueinander verhalte wie diese unmittelbar 
gegebenen Tatbestände. Aber man braucht sich nur einmal bei¬ 
spielsweise eine isolierte Kraft als Ursache einer bestimmten beob¬ 
achtbaren Wirkung zu denken: sie muß doch von irgendeinem 
raumzeitlich bestimmten Punkt ausgehen. Also haben wir schon 
eine mehrdimensionale Bestimmtheit, d. h. eine Mehrzahl einzelner, 
aber zu einem Ganzen vereinigter Bestimmungen.
        

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