Bauhaus-Universität Weimar

2. Elimination der Beobachtungsfehler. Genauigkeitsgrenzen 331 
Es kann, wenigstens bei vorläufigen Beobachtungsreihen, 
Vorkommen, daß man sich veranlaßt findet, eine Beobachtung 
ganz aus der Reihe zu streichen, wenn man die Überzeugung ge¬ 
winnt, daß ihr stark abweichender Wert auf einer augenblicklichen 
Unaufmerksamkeit oder einem sonstigen angebbaren groben Stö¬ 
rungsfaktor beruht. Aber im allgemeinen muß durchaus die 
Regel gelten, daß eine Beobachtung nicht wegen eines außer¬ 
gewöhnlichen Messungsbetrages zu streichen ist, da auch solche 
abnormen Werte innerhalb einer größeren Reihe durch die Mittel¬ 
ziehung ihre Berücksichtigung finden und die Grenze gegen will¬ 
kürliche Verschönerungen sonst schwer zu ziehen ist. Bei Haupt¬ 
reihen geübter Beobachter werden aber solche Streichungen nur 
sehr selten als nötig erachtet werden, jedenfalls muß davon aus¬ 
drücklich Erwähnung geschehen. 
Umgekehrt ist man aber gelegentlich veranlaßt, einer Be¬ 
obachtung größeres „Gewicht“ als den übrigen beizulegen, in 
welchem Falle man sie bei der Mittelziehung zweifach oder drei¬ 
fach in Rechnung setzt. Es ist hierbei der subjektiven Schätzung 
des Forschers eine Pforte geöffnet, die er aber nicht zu oft be¬ 
nützen wird. 
Auch wann und inwieweit Interpolationen und Extrapola¬ 
tionen gestattet und angezeigt sind, kann nur im einzelnen Falle 
vom Fachmann beurteilt werden, der sie natürlich in seinem 
Bericht als solche charakterisieren wird. Das gleiche gilt von dem 
Gebrauch von Näherungswerten und Näherungsformeln in Fällen, 
wo die genaue Ausrechnung vielleicht möglich, aber nutzlose Zeit¬ 
verschwendung wäre. Auch in der Anzahl der Dezimalen bei der 
Angabe oder Berechnung der Messungen wird man sich auf das 
für den augenblicklichen Zweck und Gegenstand Nötige beschrän¬ 
ken. Es hat keinen Sinn, etwa das spezifische Gewicht eines Holz¬ 
stückes vom Eichenbaum oder die Tonhöhe des Vokales in einer 
gesprochenen englischen Silbe auf drei oder vier Dezimalen aus¬ 
zurechnen (wie das Letztere tatsächlich kürzlich in einer akade¬ 
mischen Abhandlung geschehen ist). Das ist nur ein Kennzeichen 
des Dilettantismus, der sich den Anschein besonderer Exaktheit 
geben will. 
Bei der Durchführung der messenden Beobachtungen selbst 
gilt es, in der Verfolgung aller nur immer denkbaren kleinen 
Einflüsse am rechten Punkt Halt zu machen. Fast immer müssen 
und können gewisse mögliche Einflüsse unberücksichtigt bleiben,
        

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