Bauhaus-Universität Weimar

7. B ewegungsWahrnehmung 
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sich (analog wie bei den Begriffen des Kontinuums, der Gestalt, 
der Veränderung) besonders deshalb, weil die theoretische Physik 
heute gezwungen ist, an Stelle der Raumanschauung von solchen 
Abstraktionen Gebrauch zu machen. 
Mit den obigen Definitionen ist gesagt, daß eine Bewegung 
in diesem allgemeinsten Sinne alle Merkmale in sich vereinigt, 
welche von Veränderungen überhaupt, von Gestalten überhaupt, 
von Kontinuen überhaupt gelten. Daß es aber Erscheinungen gibt, 
welche diese Merkmale in sich vereinigen, zeigt die Analyse der 
Wahrnehmungsinhalte. Immer handelt es sich dabei um regionale 
Axiome oder, wenn man so sagen will, um ,,Wesensschau“. 
Wir heben hier als besonders wichtig folgende Eigenschaften 
hervor : 
a. Jede Bewegung in diesem Sinne involviert (ebenso wie jede 
unstetige Veränderung) die zeitliche Forterhaltung und 
Zurückschiebung eines Wahrnehmungsinhaltes im Be¬ 
wußtsein, von welcher unter Nr. 6 die Rede war. Würde das 
Bild einer rollenden Kugel im Bewußtsein nicht eine kurze M eile 
aufbewahrt, oder würde es zwar aufbewahrt, aber nicht mit fort¬ 
während wechselnden Zeitmerkmalen versehen, so würden wir statt 
der rollenden Kugel einen immer länger werdenden Zylinder sehen. 
ß. Jede Bewegung in diesem Sinne muß eine bestimmte 
Richtung und Geschwindigkeit haben, muß nach diesen 
beiden Beziehungen variabel sein, wenigstens ihrer Natur nach, 
wenngleich einzelne Richtungen oder Geschwindigkeiten in be¬ 
sonderen Fällen durch besondere Einrichtungen dauernd festgelegt 
sein mögen. 
y. Jede Bewegung in diesem Sinne wird als Veränderung von 
irgendetwasinirgendeinerHinsichtwahrgenommen. Nelimen 
wir eine stetige Helligkeitsveränderung wahr, so ist es eine \ er- 
änderung der Gesichtserscheinung in Hinsicht ihrer Helligkeit. 
Nehmen wir eine stetige Tonhöhenveränderung wahr, so ist es 
eine Veränderung einer Tonerscheinung in Hinsicht ihrer Höhe. 
Immer ist uns die Erscheinung als konkretes Ganzes gegeben, und 
diesem Ganzen wird die Veränderung als ihrem Subjekt zuge¬ 
schrieben. Auch wenn es sich einmal gleichzeitig nach allen seinen 
Eigenschaften verändern sollte, würden wir ebenso viele Be¬ 
wegungen als Eigenschaften an ihm unterscheiden, und alle diese 
Bewegungen würden wir dem Ganzen als ihrem Subjekt oder 
Träger zuschreiben. Wir können dies auch kurz so aussprechen:
        

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