Bauhaus-Universität Weimar

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§ 12 
Dieses Axiom wird bisher wohl nirgends in den Lehr¬ 
büchern der Logik angeführt, verdient aber mit Rücksicht 
auf manche modernen Thesen einen Platz neben den schon an- 
erkannten. 
Die beiden Sätze der Determination, die hier unter c a und 
c ß angeführt wurden, stehen in einem gewissen Parallelismus zu 
den beiden Sätzen der Kontradiktion b a und b ß. Nach diesen 
kann, unter Berücksichtigung der Erläuterungen S. 134, einem 
Dinge nicht zugleich ein Prädikat und sein kontradiktorisches 
Gegenteil zukommen, es muß ihm aber notwendig eines von beiden 
zukommen. Nach den Sätzen der Determination können einem 
Ding auch nicht zugleich zwei konträre, überhaupt spezifisch ver¬ 
schiedene Prädikate derselben Gattung zukommen, es muß ihm 
aber eines der innerhalb der Gattung möglichen spezifisch ver¬ 
schiedenen Prädikate zukommen. Das erste Axiom ist beide Male 
in erster Linie negativ, das zweite affirmativ, das erste verbietet, 
das zweite gebietet. Doch läßt sich das affirmative jedesmal auch 
in äquivalent negativer Form aussprechen, wie in den beiden zu¬ 
sammenfassenden Formulierungen unter b und c geschehen ist. 
Ja man könnte daran denken, die Axiome unter b auf die 
unter c zurückzuführen, sie darunter zu subsumieren. Man würde 
sagen: es gibt Gattungsbegriffe, innerhalb deren überhaupt nur 
zwei Spezies möglich sind. So kann z. B. eine Bewegung, die in 
einer bestimmten geraden Linie verläuft, nur nach zwei Seiten ver¬ 
laufen, -> oder . Ebenso läßt nun ein Urteil in bezug auf seine 
Erkenntnisqualität (wenn der Ausdruck erlaubt ist) nur die zwei 
Qualitäten wahr und falsch zu. Daher kann nach den Axiomen 
unter c ein Urteil über eine vorgegebene Materie nicht zugleich 
wahr und falsch, aber es muß eines von beiden sein. Hiermit 
hätten wir in leichter Umformung die Axiome unter b. Wir tragen 
gleichwohl Bedenken gegen diese Vereinfachung, da der Gattungs- 
begiiff ,, Erkenntnis qualität“ und die Auffassung von wahr und 
lalsch als immanenter Urteilsqualitäten, vergleichbar den Quali¬ 
täten der Affirmation und Negation, sich schwer würde verteidigen 
lassen. 
2. Folgerungsaxiome 
Wii verstehen darunter Sätze, die den Zusammenhang zwischen 
den Vordersätzen und dem Schlußsatz eines formell gültigen Schlus¬ 
ses aussprechen. Bei einem solchen Schlüsse muß sich der Zu-
        

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