Bauhaus-Universität Weimar

Die Lust am Trauerspiel. 
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Ertragen kommt, als undramatisch, hier nicht in Be¬ 
tracht. Dagegen das Ankämpfen des moralisch an¬ 
gelegten Helden gegen physisches wie geistiges, 
von der eigenen Brust wie von fremder Übermacht 
drohendes Unheil berührt wohltuend. Dämonische 
Triebe seines eigenen Innern erscheinen nicht weniger 
wie äußere Bedrückung als ein schweres Verhäng¬ 
nis, und jeder Kampf dagegen ist des Mitgefühles 
sicher. Selbst wenn der Held, wie Macbeth oder 
Richard III., den finsteren Mächten in ihm erliegt: wir 
haben Strahlen der Sonne auch da gesehen, gefühlt. 
Dazu kommt, daß die großartigen Fähigkeiten des 
Intellekts und der Tatkraft, die der Dichter solchen 
Helden verleiht, in dem vereinzelten Strahl ethischen 
Fühlens wie plötzlich verklärt erscheinen. 
Auch bei der Abschätzung des Einflusses mora¬ 
lischer Lustgefühle müssen wir übrigens nicht ver¬ 
gessen, daß das Trauerspiel durch schmerzliche 
Konflikte aller Art noch nicht hinreichend von sonstigen 
Dramen unterschieden ist, sondern erst durch den 
tödlichen Ausgang. Ist also das moralische Lust¬ 
moment für das Trauerspiel so bedeutungsvoll, so 
muß es wie das der Erhabenheit mit dieser Weise 
des Ausgangs noch besonders Zusammenhängen. 
Eben hiervon suchte ja die Sühnetheorie Rechen¬ 
schaft zu geben. An Stelle dieser unhaltbaren Er¬ 
klärung wird zunächst in Betracht kommen, daß wir 
Lebenden uns die Stunde, in der es von allem
        

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