Bauhaus-Universität Weimar

Die Lust am Trauerspiei. 
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auch das Wort „tragisch“ auf die Gefühlswirkung 
der entsprechenden Vorgänge. Manche Menschen 
nennen freilich alles Unangenehme tragisch, wie sie 
alles Große riesig und alles Merkwürdige fabelhaft 
nennen. Saloppe Sprachgewohnheiten können uns 
aber nicht bestimmen, die durch die Sache gezeich¬ 
neten Grenzlinien zu überschreiten. 
3. Beachten wir nun auch den Unterschied der 
Tragödie vom Tragischen der Wirklichkeit. Er liegt 
in der hinzukommenden künstlerischen Form, in 
allem, was zur Komposition gehört, in der Hinweg¬ 
lassung überflüssiger oder störender Umstände so¬ 
wohl in den Charakteren als Begebenheiten, in der 
Zusammendrängung des Auseinanderliegenden in die 
räumlichen und zeitlichen Schranken der Aufführung, 
in der Herstellung einer durch sich verständlichen 
und in sich geschlossenen, ästhetisch einheitlichen 
Handlung, in der Kontrastierung der Persönlichkeiten 
und Szenen, in den Wirkungsmitteln der Diktion 
usw. Man muß aber nicht mit Hume (On tragedy) 
glauben, daß durch die künstlerische Form allein 
ein schrecklicher Gegenstand angenehm werden 
könne, und daß aus diesen formellen Eigenschaften 
das Paradoxon der Lust am Trauerspiel sich allein 
schon begreifen lasse. Denn da es den Dichtern frei¬ 
steht, angenehme oder unangenehme Stoffe zu wäh¬ 
len und beide durch die dichterische Form zu ver¬ 
schönen, so sieht man nicht ein, warum sie sich 
Stumpf, Reden. 3
        

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