Bauhaus-Universität Weimar

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Die Anfänge der Musik. 
einmal dem Bewußtsein aufgegangen waren, auch 
beim Sprechen vielfach verwendet. Es entstand tat¬ 
sächlich eine Art Sprechgesang, d. h. ein Rezitieren 
und Deklamieren, bei welchem die Stimme länger 
als gewöhnlich auf bestimmten Tönen verweilt, ganze 
Sätze in einer unveränderten Tonhöhe vorträgt und 
an besonderen Stellen die musikalischen Intervalle 
zu Hilfe nimmt. Wir haben davon eine Menge 
Proben bei den Naturvölkern, aber auch bei den 
ostasiatischen Kulturnationen. Die Grenze gegen 
das gewöhnliche Sprechen ist nicht immer leicht 
zu ziehen. Aber den ausgebildeten Sprachgesang 
möchte ich durchaus als wahren Gesang bezeichnen. 
Bei uns gibt das Singen der Domherren und Mönche, 
die in der Kirche ihre Vesper oder Matutin rezi¬ 
tieren, ein Beispiel davon: und es ist ein Nach¬ 
klang aus sehr alten Zeiten. Die Rhythmik und das 
Zeitmaß des Sprechens ist dabei aus der gewöhn¬ 
lichen Sprache ziemlich unverändert herübergenom¬ 
men, und man hat infolgedessen den Eindruck eines 
nur wenig modifizierten Sprechens. Gleichwohl ist 
durch die festen Tonhöhen und Intervalle ein wesent¬ 
lich neues Element hineingekommen. 
Dabei sind aber die musikalischen Intervalle 
nicht etwa willkürlich in das Sprechen hineingetragen 
sondern diejenigen ausgewählt worden, die mit den 
sprachlichen Tonfällen die größte Ähnlichkeit be¬ 
sitzen. Beim liturgischen Gesang ist dies ja
        

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