Bauhaus-Universität Weimar

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Vom ethischen Skeptizismus. 
zu endigen. Wenn der Naturmensch eine Handlung, 
die wir mißbilligen, lobt, wer sagt uns, daß sein 
Lob ethische Billigung im heutigen Sinne bedeutet? 
Vielleicht gibt es diesen Standpunkt für ihn noch 
nicht, vielleicht hat er nicht ein anderes, sondern 
überhaupt noch kein Gewissen. Ein so ausgezeich¬ 
neter Forscher wie John Lubbock (Lord Avebury) 
hat den Naturvölkern fast jede ethische Regung ab¬ 
gesprochen. Geht seine Zuversicht vielleicht zu weit, 
so kann man doch die Berechtigung der Frage nicht 
leugnen. In künstlerischen Dingen hat schon Fech- 
ner betont, daß die Verschiedenheiten des Ge¬ 
schmackes nicht notwendig so groß sind, wie sie 
anfänglich erscheinen. Denn natürlicherweise sind 
bei der Gestaltung von Bauwerken oder Gerät¬ 
schaften zuerst nicht Geschmacksrücksichten, son¬ 
dern praktische Beweggründe maßgebend. Ähnlich 
kann es bei den Handlungen sein, die wir jetzt und 
von unserem Standpunkt als ethische betrachten. 
Aber nehmen wir einmal an, daß die Herzen der 
Menschen uns offen ständen, daß wir darin ohne 
Gefahr des Mißverständnisses lesen könnten, und 
daß wir tatsächlich die verschiedensten Handlungen 
von ethischer Billigung im gegenwärtigen Sinne des 
Wortes begleitet fänden: so würde auch dann nur 
folgen, daß unter verschiedenen Lebensumständen 
verschiedene Handlungsweisen wahrhaft gut sein 
können; ein Lehrsatz, für den die Völkerpsychologie
        

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