Bauhaus-Universität Weimar

154 Zur Methodik der Kinderpsychologie. 
(Année psychol. II p. 444.) Oder es wird, um die 
„Auffassungsfähigkeit“ zu messen, die Beschreibung 
eines gesehenen Bildes verlangt. Methoden, die 
übrigens längst in den Schulen bei uns eingeführt 
sind, auch teilweise in gesellschaftlichen Unterhal¬ 
tungen eine Rolle spielen. Diese Art von Kriterien 
hat, meine ich, in der Tat pädagogische Bedeutung; 
wogegen die einfacheren Funktionen eine exaktere 
Durchführung gestatten, Zahlenwerte liefern und in 
praktischer Hinsicht sich als diagnostische Hilfs¬ 
mittel für den Irrenarzt bewähren sollen. Bei der 
Zergliederung der Umstände, die auf die sogenannten 
einfachen Funktionen Einfluß gewinnen, stößt man 
freilich auch oft auf starke Verwicklungen. Auch 
vermisse ich bei Kräpelin bis jetzt die Berücksich¬ 
tigung der Gefühlsseite, da doch unsere ganze Seelen¬ 
maschinerie in stärkstem Maße, zuletzt vielleicht so¬ 
gar ausschließlich durch Gefühlszustände getrieben 
wird (auch das Interesse ist wohl als ein Gefühl 
zu fassen). 
Wie man übrigens fehlgehen kann, wenn man, 
ohne ein Kind näher zu kennen, aus einem einzelnen 
Versuch seine Individualität bestimmen will, sehen 
wir an einem Erlebnis Binets. Er hatte nach den 
gelieferten Beschreibungen eines Bildes fünf Schüler 
unter den „Gefühlstypus“ (type émotionnel) einge¬ 
reiht. Der Schuldirektor aber, der sie von länger 
her kannte, bezeichnete vier davon als „kalt, trocken,
        

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