Bauhaus-Universität Weimar

142 Zur Methodik der Kinderpsychologie. 
im eigentlichen Sinne zu deuten, d. h. auf eine Ge¬ 
mütsbewegung. Aber es ist unleugbar, daß die Vor¬ 
stellung einer Gefahr, eines schädlichen, fürchter¬ 
lichen Ereignisses im Begriff des Schreckens im 
eigentlichen Sinn enthalten ist, und daß diese Vor¬ 
stellung Erfahrung voraussetzt. Das ursprüngliche 
Zusammenfahren kann also nur als ein physiologischer 
Reflex gedeutet werden, wenn er sich auch wohl 
aus Erlebnissen der Erwachsenen früherer Genera¬ 
tionen, wo wirkliche Erfahrungen zugrunde lagen, 
vererbt haben mag. 
Die Frage ist besonders akut geworden bezüg¬ 
lich des Wollens. Wundt hat aufs lebhafteste da¬ 
gegen polemisiert, daß man das Wollen als Ent¬ 
wicklungsprodukt im individuellen Leben ansehe. 
Schon die allerersten Bewegungen seien Willens¬ 
äußerungen. Es kommt natürlich darauf an, was 
man unter Wollen versteht. Gewöhnlich setzt man 
dabei die Vorstellung des Erfolges voraus, und Wundt 
kann nicht umhin, den Begriff auch wieder in diesem 
engeren Sinne zu nehmen. In diesem Falle folgt 
aber, daß das Wollen nichts Ursprüngliches sein 
kann. Die Frage der Entstehung ist also abhängig 
von der Analyse und Definition des Begriffes auf 
Grund der Selbstbeobachtung des Erwachsenen. 
Man erkennt an diesem wichtigen Beispiel aufs 
deutlichste die eigentümliche Lage der Kinderpsycho¬ 
logie: die Psychologie des Erwachsenen ist die Vor-
        

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