Bauhaus-Universität Weimar

in der gegenwärtigen Philosophie. 
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Gefühl ohne Bewußtsein zu reden, und ob solchen Zu¬ 
ständen eine besondere Poesie oder Zweckmäßig¬ 
keit innewohnen kann, wollen wir hier dahingestellt 
sein lassen. Jedenfalls aber ist die Verwandlung 
unbewußter Empfindungen in bewußte auch ein 
Sprung und bildet gerade das Auftreten des Bewußt¬ 
seins den Kern des ganzen Rätsels. 
Man müßte also auch das Bewußtsein schon von 
Anbeginn vorhanden denken oder gar die materiellen 
Prozesse der unorganischen Natur selbst als Bewußt¬ 
seinsinhalte definieren: womit man auf dem Stand¬ 
punkte des sog. Idealismus angelangt wäre, für den 
es überhaupt keine Materie im alten Sinne mehr 
gibt. Aber wer sieht nicht, daß dann die Lücke 
wieder klafft zwischen dem ewigen Allgemeinbewußt¬ 
sein (der früher sogenannten Materie) und dem zeitlich 
entstehenden Einzelbewußtsein? daß die Entstehung 
des letzteren genau dieselbe Schwierigkeit nur mit 
anderen Worten wiederbringt? daß überhaupt diese 
ganze Umdeutung der Materie ein bloßes Spiel mit 
Worten ist? — 
Wir müssen uns, denke ich, vergegenwärtigen, 
daß psychisches Leben nicht ein für allemal vor 
undenklichen Zeiten entstanden ist, sondern daß 
es fortwährend entsteht. Ein Wunder, das sich 
regelmäßig unter bestimmten Umständen wieder¬ 
holt, ist kein Wunder mehr, sondern gehört selbst 
unter die Naturgesetze. Wo und wann immer die
        

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