Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über den Erregungsvorgang im Nerven- und Muskelsysteme
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8435/77/
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Abschnitt II. 
Weitem Ubertreffen. Die Versuche am Muskel, welche den Zwec^ 
haben, die angcregto Frage au entscheiden, sind natürlich ganz i| 
derselben Weise angestcllt, wie die entsprechenden Versuche an 
, Nerven. Es wurde der Muskel von künstlichem Querschnitt und 
Längsschnitt abgeleitet wie in der Versuchsreihe I, alsdann wurde 
mit Hulfo des Rhcotoms dasjenige StUck der Schwankungscurvc aut 
gebucht, welche in das Maximum derselben fällt. Nun wurde die 
Compensation aufgehoben, der Muskel gereizt und erst dann der 
Schlüssel zum Galvanometer geöffnet. Findet in diesem Moment der 
negativen Schwankung eine Umkehr des Stromes statt, so muss die 
Scala nach der negativen Richtung wandern. In vielen Versuchen 
derart ist es mir nun nicht gelungen, eine Ablenkung in negativem 
Sinne zu erhalten. Meist trat eine Ablenkung in positivem Sinne ein, 
die aber, wie zu erwarten, bedeutend schwächer war, als die ent¬ 
sprechende Ablenkung, welche durch den Strom des ruhenden Mus¬ 
kels erzeugt wurde. In dem einen Versuche XXXI, Versuchsreihe I, 
ist es mir gelungen zu beobachten, dass während der negativen 
Schwankung keine Ablenkung cintrât. Ohne Reizung des Muskeb 
betrug die Ablenkung 14 und 17,5 Scalalhcilc, während der Reizung 
blieb bei der Einführung des Galvanomctcrkrciscs der Magnet in Ruh«. 
In diesem Falle also sank die Schwankungscurvc gerade bis zur Ab¬ 
risse herab, der abgeleitete Strom wurde in dem beobachteten Mo¬ 
ment im Maximum der negativen Schwankung Null. 
Ob cs möglich ist, dass die Schwankungscurvc noch weiter unter 
die Abcissc sinken kann, möchte ich dahingestellt sein lassen. Wenig¬ 
stens ist cs mir nicht gelungen, auch bei der stärksten Reizung einen 
solchen Fall zu beobachten. Aber wahrscheinlich ist mir dies nicht, 
und es ist vielleicht ein sehr wichtiger Unterschied zwischen negativer 
Schwankung sm Nerven und im Muskel, dass crstcrc die elcctromoto- 
rische Kraft der Moleküle wirklich umzukehren vermag, während 
letztere dieselbe nur auf Null herabzusetzen im Stande ist. Sollte 
diese Thatsachc, wenn sie richtig ist, nicht im Zusammenhang« 
stehen, mit der Eigenschaft der Ncrvcnmolektilc durch den constantes.. 
Strom säulcnartige Polarisation anzunehmen, während dies die Mus- 
kcltuolekülc nicht thun? Ist ferner nicht auch die Möglichkeit ge¬ 
geben, dass die negative Schwankung des Xcrvenstroms wegen dieser 
Eigenschaft der Moleküle nur bei Reizung mit clcctrischen Ströme» 
unter die Abscisse zu sinken vermag, während dies bei anderweitiger
        

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