Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über den Erregungsvorgang im Nerven- und Muskelsysteme
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8435/175/
Der Erregungsvorgang in den empfindenden Ncrvcncentren. 
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gedachte Fläche, in der aie alle liegen, so stellt diese centrale Fläche 
eine Abbildung unserer Körperoberflächc dar, indem alle Punkte 
dieser beiden Flächen durch. ein Strahlensystem von Nervenfasern 
mit einander verbunden sind. 
Das Lokalisationsvermögcn auf der Haut ist indess nicht so voll¬ 
kommen, als der Unbefangene glauben möchte. Wir geben zwar 
den Ort einer Reizung auf den Händen und im Gesicht mit ziemlicher 
Genauigkeit an, aber an anderen Körpcrthcilen irren wir uns um 
ganz bedeutende Strecken. Durch die Versuche von Ernst Hein¬ 
rich Weber sind die Grenzen des Lokalisationsvcrraögcns für alle 
llautparthien durch Aufsetzen von zwei Zirkelspitzen in variabler 
Entfernung genau bestimmt worden. Sobald die Spitzen so weit ge¬ 
nähert sind, dass sic beide als eine Spitze empfunden werden, so ist 
die gesuchte Grenze erreicht. Dann vermögen wir nicht mehr durch 
den Lokalsinn die zwei gereizten Punkte auf der Haut von einander 
zu unterscheiden. Weber hat so die Entfernung der Spitzen füi 
verschiedene ilautthciic gemessen und gefunden, dass sic eine sehr 
verschiedene Grösse besitzt. 
Da diese Entfernungen z. 13. am Rücken eine beträchtliche Grösse 
erreichen, so lässt sich nicht annchmen, dass ein Kreis von so grossem 
Durchmesser dem Endbezirk einer einzigen Nervenfaser entspreche. 
Wäre dies der Fall, so müsste ferner die Empfindung einer Spitze 
plötzlich in die zweier übergehen, wenn man durch Weitcn iickcn des 
Zirkels eine Spitze in den Endbezirk der benachbarten Faser über¬ 
führt. Dies tritt aber nicht ein, vielmehr bleibt die Empfindung ein¬ 
fach. 
Um diese merkwürdige Thatsache zu erklären, hat nun Weber 
die Annahme gemacht, dass die Hautoberfläche in eine Mosaik sehr 
kleiner Feldehen cingcthcilt sei, von deneu jedes den Endbezirk einer 
Nervenfaser vorstclle. Damit aber zwei Eindrücke eine doppelte 
Empfindung erzeugen, müsse eine gewisse Anzahl unerregter Feld- 
clicn zwischen den beiden erregten liegen. Erst dann hätten wir 
das Bewusstsein, dass zwei verschiedene Punkte auf der Haut gereizt 
seien, indem wir nach der Zahl der zwischenliegenden ungereizten 
Felder ihre Entfernung abscl-.fitzcn. 
Diese Felder hat W e b c r Empfindungskreise genannt. Er nimmt 
sic sehr klein an, aber um so kleiner je feiner der Ortssinn ist. Lei¬ 
der haben wir für die Entfernung zweier Pnnktc auf der Haut, die 
soweit genähert sind, bis sic eben in eine Empfindung verschmelzen,
        

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