Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über den Erregungsvorgang im Nerven- und Muskelsysteme
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8435/143/
Tlieoriu Je» Erregitngivurgnnge« in der Nerven* und Mutkelhevr. 136 
jungen dadurch möglich sein, weil 6',l0 tier Erfahrung gemäss nie* 
mal« (lurch einen andern Ton aU den von 1 IG Schwingungen erregt 
worden ist. Allerdings genügt die Erregung eines bcstiniinten Punktes 
im Centrum, um eine apccifi.schc Empfindung zu erzeugen, und ebenso 
wie jede Erregung in dein Tnstncrvcnccntrum den Ort der Reizung 
sofort lukulisirt, ist es aueh denkbar, dass jede Erregung eines Ele¬ 
mentes iin Hüriicrvcncenlrum die stattgehabte Eui|dindung als Ton 
von bestimmter Höhe in der Reihe der Töne lokalisirt. \\ ir müssen 
uns dann vorutellcn, dnss jedes Element im llöruerrcuceutrum ver¬ 
möge einer prästnbilirten llurmonie, d. h. in Folge einer durch die 
Entwickelung des Organes erworbenen Eigenschaft die Fähigkeit 
besitze, durch Erregung in sich tlic Empfindung eines bestimmten 
Tones zu erzeugen. 
Wenn wir auch an dieser Vorstellung l'esthalten, so bleibt doch 
die kaum zu widerlegende Annahme bestehen, dass die Nervenfasern 
des Acustieus in der Schnecke alle in verschiedener Weise erregt 
werden. Ein Ton von 1 IG Schwingungen wird die Endorganc einer 
Nervenfaser in Mitschwingung versetzen, die ebenfalls 11G mal in 
der Secundc schwingen, und da wir uns denken müssen, dass diese 
Schwingungen es sind, welche die Nervenfaser mechanisch erregen, 
so kommen wir zu dem Resultat, dass die betreffende Nervenfaser 
auch 116 mal in der Secundc gereizt wird, iolglich dass aueh 1 IG Reiz* 
wellen in der Secundc in ihr entstehen und ablaufen. Ebenso erzeugt 
ein Ton von 232 Schwingungen in einer andern Nervenfaser eine 
Erregung von 232 Rcizwcllcn in der Secundc. Es müssen also 
schliesslich in jeder Nervenfaser ebensoviel Rcizwcllcn entstehen als 
der Ion Schwingungen hat, durch den diese Nervenfaser in Erregung 
versetzt war, und schliesslich müssen wir hier sehr bald zu der von 
uns theoretisch angenommenen Grenze von 1600 Reizen in der Se¬ 
cundo gelangen, bei der die Rcizwcllcn beginnen, übereinander zu 
fallen. 
Es Ist nun in der That höchst bemerkenswert]], dass die in der 
Musik am meisten gebrauchten Töne, die misera Ohre am ange¬ 
nehmsten sind und von ihm gut unterschieden werden, unterhalb der 
Schwingungszahl 1600 liegen. Diese Schwingungszahl liegt zwischen 
ÿ.und a der dreigcstrichcncn Octave. In den Claviercn finden wir 
Allerdings sogar noch die vicrgcstrichue Octave vertreten, deren h 
(I960 Schwingungen besitzt. Darüber hinaus dürften aber wohl 
•chwerlich in der Masik verwendbare Töne Vorkommen. Nach
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.