Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über den Erregungsvorgang im Nerven- und Muskelsysteme
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8435/140/
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Abschnitt III. 
errege, obgleich sio nicht im Stando ist, dieselbe in ihrem Verlauf« 
zu erregen. Zwar könnte man sagen, dass jener dioptrische Apparat 
der Netzhaut, die Lichtwellen auf eine bestimmte Stelle des Nerven-'' 
röhreninbalts so concentrirc, dass dadurch eine Reizung zu Stande 
komme, was ohne diese Vorrichtung nicht möglich sei. .Aber jene 
Ueberlegung, von der wir ausgegangen sind, dass eine Reizung des 
Nerven nur bis zu einer gewissen Schnelligkeit der aufeinanderfolgen¬ 
den Reize möglich ist, führt uns zu dem Schlüsse, dass auch die 
letztgenannte Vorstellung nicht richtig sein kann. Denn 456 Billionen 
Reize in einer Sccundc sind eben nicht mehr im Stande, den Nerven 
in dauernde Erregung zu versetzen. 
Wir gelangen daher zu der Annahme, dass in der Retina die 
Lichtbewegung in eine andere Bewegung verwandelt wird, welche 
so beschaffen sein muss, dass sic den Nerven zu erregen vermag,. 
Es ist wohl schon ausgesprochen worden, weil es unsern Erfahrungen 
am nächsten liegt, dass die Einwirkung des Lichtes in der Retina 
auf chemischen Vorgängen beruhe, dass dieselbe eine photo- 
chemische sei, ähnlich der Einwirkung des Lichtes auf die Jod- und 
Chlorsilbervcrbindungcn, welche in der Photographie angewendet 
werden. In diesen Fällen sehen wir, dass durch das Licht Zer¬ 
setzungen cingeleitet werden, in andern Fällen z. B. heim Chlor¬ 
knallgas sehen wir das Umgekehrte ein treten, indem das Licht die 
Verbindung zweier Körper veranlasst. Man kann gegen diesen Ver¬ 
gleich den Einwand erheben, dass die angeführten chemischen Processe 
hauptsächlich durch die stärker brcchharcn Strahlen das Spektrum, ja 
am stärksten sogar durch das kaum noch sichtbare ultraviolette Licht er- 
zeugt werden, während die auf die Retina wirksamsten Strahlen in 
einem andern TLcile des Spektrum liegen. Das gelbe Licht, welches 
auf das Auge am stärksten erregend einwirkt, hat bereits eine so 
geringe photochcmischc Einwirkung, dass die Photopraphcn ihre 
Dunkelkammer zum Hervorrufen der Bilder durch eine gelbe Fenster¬ 
scheibe erleuchten können. 
Gegen diesen Einwand aber muss man geltend machen, dass die 
chemische Wirkung, welche das Licht auf die Pflanzen ausübt, auch 
nicht von den sogenannten photcchcmisclicn Strahlen am stärksten 
ausgeübt wird. Die Entwickelung von Sauerstoff durch die Chloro¬ 
phyll-haltigen Pflanzcnthcilc, welche durch die Bestrahlung mit Sonnen¬ 
licht hervorgerufen wird, ist nach ucn neueren Versuchen über diesen 
Gegenstand gerade am schwächsten im blauen und violetten Lichte,
        

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