Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über den Erregungsvorgang im Nerven- und Muskelsysteme
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8435/133/
Theorie dee Erregungerorgangee in der Nerven- uud Muakelfaaer. ]25 
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Wir entnehmen hieraus, welche Funktion Erregung und lteiz- 
: welle mit einander verbindet, und wir können sagen: Die Erreg¬ 
ung eines Elementes der Muskelfaser in eincFunktion 
der Geschwindigkeit mit der die Höhe dcrRcizwcllc 
lieh in diesem Elemente ändert. 
Betrachten wir das Element d Mt Fig. 22, so ändert sich die 
flöhe der Rcizwclle in dern gezeichneten Moment in diesem Element 
mit einer bestimmten Geschwindigkeit; denn errichten wir in diesem 
Element die Ordinate «, so ist diese Geschwindigkeit gleich der Steil¬ 
heit der Curve mn im Punkte 8. Betrachten wir dagegen das Ele¬ 
ment d M, so schneidet die darauf errichtete Ordinate u die Linie 
so iiu Punkte t und die Geschwindigkeit, mit der die Ordinate hier 
ihren Wcrtu ändert, ist Null. In dem gezeichneten Moment herrscht 
also im Element d Mx Erregung, im Element d M dagegen keine Er¬ 
regung. 
So erklärt sich denn aus diesen Folgerungen die Erscheinung 
der Antangszuckung. Zwar haben wir zuletzt nur den extremsten 
Fall der schnellfolgenden Reize, den Fig. 22 darstcllt, im Auge ge¬ 
habt, aber man wird leicht cinsehcn, dass nun auch der Gang der 
Erscheinung, wie er in Wirklichkeit bei den erreichbaren Experimen¬ 
ten nultritt, klar werdbn wird. Nehmen wir als Beispiel den Fall 
ton Fig. 21 an, in welchem die Reizwcllcn sich nur zum Thcil 
decken. Bei Beginn der Reizung steigt die Curve der Rcizwclleu 
»teil in m 1 an, dann folgt die kammfürmige Curve 1 S. 2 S, 3 
Sa 4..... Der Thcil m 1 dieser Curve wird eine Erregung zur 
Folge haben, denn er steigt von Null au steil mit grosser Geschwin¬ 
digkeit, die erst nahe Reinem Maximum schnell auf Null fällt, an. 
Die nun folgende kamuiförmigc Curve wird aber eine geringere 
trregende Kraft haken, denn sic enthält die flacher verlaufenden 
Kuppen der Rcizwclleu. Nun ist es klar, dass dieser kammfürmige 
Theil der Curve um so flacher verlaufen wird je kleiner die abso¬ 
lute Höhe der Reizwellen ist. Man wird daher eine Stärke der Rei- 
*»ng ausfindig machen können, bei welcher der kamuiförmigc Theil 
der Bcizwcllencurvc so flach verläuft, dass er keine Erregung mehr 
** erzeugen im Stande ist, während der Anfang der ganzen Curve 
•1, der steil abhebt, eine Erregung zur Folge hat. In diesem Falle 
▼erden wir beim Bcgiiin der Reizung eine einzelne Zuckung beob¬ 
achten, dagegen während der Dauer der Reizung Ruhe des Muskels. 
Dies ist, wie mau sieht, die Erklärung der Anfangszuckung, wie wir sic
        

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