Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den Kreislauf des Blutes im menschlichen Gehirn: Untersuchungen
Person:
Mosso, Angelo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8288/91/
82 V. Der Schlaf in seinen Beziehungen zum Blutkreisläufe im Gehirne. 
überzeugt, dass der schwächere Blutzufluss zu den Grosshirnhemisphären 
nicht die einzige Ursache des Schlafes sei, sondern vielmehr, ausser der 
Aenderung der Circulationsverhältnisse, noch andere und wesentlichere 
Aenderungen in der Erregbarkeit und den Ernährungsverhältnissen der 
Nervencentra dem Schlafe zu Grunde liegen müssen. 
Und doch, trotz diesen Enttäuschungen (wenn dieser Ausdruck am 
Platze ist, wo genauere Nachforschungen einen voreiligen, wenn auch 
ebenfalls aus objectiver Beobachtung gezogenen Schluss berichtigen) er¬ 
blickte ich hinter der Frage über die Aenderungen der Blutcirculation 
im Gehirne ein immer interessanteres und erforschungswertheres Feld. 
Denn die obigen Beobachtungen hatten auch genügt, mir die Ueber- 
zeugung einzuflössen, dass die Physiologie des Schlafes ein helles Licht 
über einige psychologische Processe und insbesondere über die stofflichen 
Bedingungen des Bewusstseins verbreiten konnte. 
Das war der Gesichtspunkt, aus welchem ich eine Reihe von Be¬ 
obachtungen über die Variationen des Vorderarmpulses während des 
Schlafens angestellt hatte, Beobachtungen, die als Einleitung zu den am 
Gehirne Bertino’s gewonnenen, viel vollständigeren und directen Resul¬ 
taten, dienen mögen. 
Die Aufzeichnung 1 auf Tafel VI wurde am Vorderarme des Cauda na 
erhalten, während er auf einer Matratze lag und ich seit mehr als einer 
Stunde auf sein Einschlafen wartete. Sein Puls ist höchst regelmässig 
und zwar tricuspidal, wie in der ersten Zeile unten ersichtlich. Ich lasse 
der Kürze halber die vorhergehenden 11 Zeilen meiner Originaltafel (die 
eben so vielen Minuten der Beobachtung entsprechen) aus, da sie alle 
gleich sind und keine Modification des Pulses zeigen. Bei diesen Ver¬ 
suchen bestand überhaupt mein Verfahren in einer ununterbrochenen 
Registrirung des Pulses, die öfter 2 bis 3 Stunden hinter einander ge¬ 
währt hat; es wäre daher ebenso beschwerlich als nutzlos sämmtliche 
erhaltene Aufzeichnungen an dieser Stelle aufzuführen, und ich überspringe 
daher auch die der weiteren 10 Minuten, um auf die Zeile 2 der Tafel VI 
zu kommen, wo es mir sehr wahrscheinlich wird, dass Caudana einge¬ 
schlafen sei. Er bewegte sich nämlich gar nicht und seine Athmung hatte 
den für den Schlaf charakteristischen Typus angenommen, wobei die Ex¬ 
spiration rascher und etwas geräuschvoll wird. Auch die Form des Pulses 
ist verändert, indem die Anordnung der drei Zipfel am Scheitel der Puls¬ 
welle weniger symmetrisch und weniger regelmässig geworden ist. 
Im Punkte A bewegt Caudana die rechte Hand und kratzt sich auf 
der Brust. Die in diesem Augenblicke an der Curve zum Vorschein kom¬ 
menden Unregelmässigkeiten rühren daher, dass C. seine linke Hand, die 
im Hydrosphygmographen eingeschlossen war, zu bewegen versucht hatte.
        

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