Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den Kreislauf des Blutes im menschlichen Gehirn: Untersuchungen
Person:
Mosso, Angelo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8288/87/
78 V. Der Schlaf in seinen Beziehungen zum Blutkreisläufe im Gehirne. 
dass beim Berühren der Kranken und während sie die Augen öffnete 
die Yolumenzunahme des Gehirns deshalb ansblieb, weil der Schlaf 
wegen der vorangegangenen Zusammenziehung der Gebisse (wobei die 
Pulscurve sich der Abscissenlinie annäherte) schon gar zu oberflächlich 
geworden war. 
§. 17. 
Beobachtungen an Thron während des Schlafes. 
Schon ein Jahr später nahm ich diese Versuche, mit Aussicht auf 
besseren Erfolg, am kleinen Thron wieder auf. Doch wurde ich in 
dieser Erwartung seltsam getäuscht, als ich in der Nacht, die ich zum 
ersten Versuche in einem Saale des Irrenhauses gewählt hatte, den armen 
Knaben so tief eingeschlafen fand, dass es mir nicht gelang ihn zu wecken. 
Von allen Versuchen, die ich je am Menschen angestellt, haben mir 
diese die grösste Mühe gekostet und den tiefsten Eindruck hinter¬ 
lassen. — Ich führte dieselben in Verein mit Dr. Albertotti aus. — Da 
unser Versuchsobject ein blödsinniger Bube war, so steigerten sich alle 
kleinen Hindernisse zu enormen Schwierigkeiten, indem sogar die Appli¬ 
cation der Registrirapparate uns nicht immer möglich wurde.1 
Wenn die Resultate weniger glücklich ausfielen, als ich es erwartet 
hatte, so ist dieses dem Geisteszustände des kleinen Kranken zuzuschreiben, 
und namentlich seiner grossen Unruhe im wachen Zustande, die uns 
fast immer hinderte, in der ersten Periode des Versuches eine normale 
Aufzeichnung zu erhalten, wie sie erforderlich wäre, um damit die 
etwaigen Veränderungen des Pulses während des Schlafes vergleichen 
zu können. Die häufigen epileptischen Anfälle, von denen er in den 
letzten Zeiten seines Lebens heimgesucht wurde, trugen ihrerseits nicht 
wenig dazu bei, all’ unsere Mühe und Sorgfalt zu vereiteln. Sein Schlaf 
war unregelmässig, weshalb wir ihn häufig bei unseren nächtlichen Ver¬ 
suchen zu einer späten Stunde wach vorfanden. Er litt oft an Schlaf¬ 
losigkeit, und dann blieben alle Maassregeln fruchtlos, durch welche 
wir ihm den Schlaf zu verschaffen suchten. Mehr als Wachen, war es 
eine nächtliche Unruhe, die häufig der Vorbote eines epileptischen An¬ 
falles war. Selbst die Darreichung von 2 g Chloralhydrat vermehrte 
unter solchen Umständen nur seine Erregbarkeit und versagte eine 
hypnotische Wirkung. Häufig sahen wir ihn von den schrecklichsten 
1 Ich ergreife mit Vergnügen diese Gelegenheit, um meinen wärmsten Dank 
der Direction des hiesigen Irrenhauses auszusprechen, die in jeder Weise diese 
meine Versuche zu begünstigen gesucht hat; und insbesondere den Herren Doctoren 
Perotti, Albertotti und Valetti, die sich lebhaft für dieselben interessirten.
        

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