Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den Kreislauf des Blutes im menschlichen Gehirn: Untersuchungen
Person:
Mosso, Angelo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8288/55/
I 
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III. Allgemeines über die Form des Pulses. 
III. 
Allgemeines über die Form des Pulses. 
§. 7. 
Kein Körpertheil zeigt einen seiner Form nach so veränderlichen 
Puls als das Gehirn. Doch die häufigste und wohl als normal anzu¬ 
sehende Form des Himpulses ist die tricuspidale. Dieses Wort nehme 
ich in seinem gewöhnlichsten Sinne und meine darunter, dass am Scheitel 
jeder Pulswelle drei Erhebungen wahrgenommen werden, deren mittlere 
die höchste ist und den Gipfel der Welle bildet. Die Abweichung 
dieser Pulsform von derjenigen, welche seit Marey von allen Physiologen 
als normal für die grossen Arterienstämme betrachtet wurde, ist so be¬ 
deutend, dass sie mich hei meinen ersten Beobachtungen beinahe ver¬ 
leitet hätte anzunehmen, dem Gehirn komme ein ganz eigener Puls¬ 
typus zu. 
Doch die Untersuchungen, die ich zur Lösung der Frage anstellte, 
oh nicht andere Körpertheile, unter günstigen Bedingungen, eine dem 
Hirnpulse analoge Pulsform aufweisen könnten, führten zu einem posi¬ 
tiven Ergebnisse: sie zeigten aufs Bestimmteste, dass sich am Vorder¬ 
arme, an der Carotis und in der Nasenhöhle eine mit dem Hirnpulse 
durchaus übereinstimmende Form von Pulsationen erhalten lässt; und 
indem die Anordnung der drei Elevationen in der sphygmographischen 
Curvenwelle nach verschiedenen Umständen wechselt, werde ich die 
Mittel angehen, durch welche ich nach Belieben diese Variationen habe 
hervorhringen können. 
Um die Verwirrung auf diesem Gebiete nicht zu vermehren, will ich 
mich der Einführung neuer Namen möglichst enthalten und die Be¬ 
zeichnungen gebrauchen, die von den neuesten Forschern vorgeschlagen 
worden sind. Wir wollen daher mit Landois an jeder Welle der Puls- 
curve einen ansteigenden Schenkel, einen Gipfel und einen ab¬ 
steigenden Schenkel unterscheiden, und werden nach dem Vorgänge 
desselben Forschers die im ansteigenden Wellenschenkel wahrnehmbaren 
Elevationen an a erotisch, die im absteigenden Schenkel auftretenden 
catacrotisch nennen. Dem entsprechend aber werden wir eine Puls¬ 
welle überhaupt als anacrot bezeichnen, wenn sie ausser dem Gipfel 
nur anacrotische Erhebungen zeigt, und als catacrot, wenn nur ihr 
absteigender Schenkel secundäre Elevationen aufweist, und zwar Beides 
ohne Rücksicht auf die supponirte Bedeutung der einzelnen Elevationen.
        

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