Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den Kreislauf des Blutes im menschlichen Gehirn: Untersuchungen
Person:
Mosso, Angelo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8288/28/
Historisch-kritische Einleitung. 
19 
direct mit dem Kreislauf der Centralorgane des Nervensystems Zusam¬ 
menhängen, indem sie in die Yena azygos und in die Bauchvenen 
münden, so können sie als ein grosses Reservoir oder besser als ein die 
Nervencentra umgehendes und mit venösem Blute angefülltes elastisches 
Kissen betrachtet werden, worin sich das unter normalen Bedingungen 
sehr langsam strömende Blut anhäuft oder von wo es mit der grössten 
Leichtigkeit austritt, je nach dem aus irgend einem Grunde das Volu- 
men der Nervencentra zu- oder ahnimmt und dem entsprechend die 
Cerebrospinalflüssigkeit hin oder her getrieben wird. 
Beide ebenbesprochenen Mechanismen, durch welche die Ortsver¬ 
änderungen der Cereprospinalflüssigkeit ermöglicht werden, sind Obigem 
zufolge nur als Seitenstücke zu derjenigen Auffassung zu betrachten, wo¬ 
nach das Überströmen der genannten Flüssigkeit aus dem Schädel in den 
Rückgratscanal und umgekehrt die wesentliche Bedingung für den 
wechselnden Blutgehalt und für die Volumsschwankungen des Gehirns 
abgeben sollte. Von dieser Auffassung ist diejenige wesentlich verschieden 
die wir bereits in Lorry’s wichtiger Abhandlung Sur les mouvements du 
cerveau et de la dure-mère1 kurz angedeutet finden, wo der Verfasser sagt, 
das Hirn könne hei seiner Volumenzunahme das Blut aus 
den umgehenden Venen verdrängen. — Später trat Cappie1 2 mit 
der Lehre auf, im Gehirne wechsele nicht eigentlich die absolute Menge 
des Blutes, sondern seine Vertheilung unter den Arterien, Capillaren 
und Venen. So entstand noch eine neue Theorie, die wir die Lehre 
von der wechselseitigen complementären Verdrängung des 
Blutes zwischen den Hirnvenen und Hirnarterien nennen 
können. Während ich an dieser ganzen Lehre die Behauptung für 
unzulässig halte, als könne der absolute Blutgehalt des Gehirns über¬ 
haupt nicht wechseln, bin ich sonst der Ansicht, dass der von Cappie 
urgirte Mechanismus wirklich derjenige ist, der hei den wechselnden 
Circulationsverhältnissen im Gehirne am häufigsten in Betracht kommt, 
und glaube ich denselben durch meine im letzten Capitel dieser Abhand¬ 
lung zu beschreibenden Versuche genügend festgestellt zu haben. 
IV. 
Wiewohl nach unserem Dafürhalten die oben entwickelten Betrach¬ 
tungen hinreichend beweisen dürften, dass in der Cerebrospinalhöhle 
1 Mémoires de mathématique et de physique. Paris, 1760, T. III. 
2 J. Cappie: TJeber die Beziehung des Schädelinhaltes zu dem Drucke der 
Atmosphäre. Edinb. med. Journal, XX, p. 105, 1874. (Schmidt’s Jahrbücher, 
1875, 15. März, p. 131.) 
2*
        

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