Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den Kreislauf des Blutes im menschlichen Gehirn: Untersuchungen
Person:
Mosso, Angelo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8288/217/
XIV. Über den Blutumlauf innerhalb des unversehrten Schädels. 
XIV. 
Über den Blutumlauf innerhalb des unversehrten 
Schädels. 
§. 56. 
In der Einleitung dieses Buches habe ich die Geschichte der noch 
immer streitigen Frage über den Blutumlauf im unversehrten Schädel 
geschildert und eine kritische Beleuchtung derselben versucht. Der Kürze 
wegen glaube ich mich hier einer Wiederholung der dort entwickelten 
Betrachtungen enthalten zu dürfen. 
Im vorhegenden Capitel werden wir diese Frage auf Grund unserer 
eigenen Untersuchungen ahhandeln. 
Weil der Schädel eine unnachgiebige und allenthalben geschlossene 
Kapsel darstellt, so verfiel ich auf den Gedanken, dass das venöse Blut 
darin unter einem höheren Drucke strömen dürfte, da hier zu der vis 
a tergo eine anderweitige, in anderen Körpertheilen nicht zur Geltung 
kommende Kraft, nämlich die pulsatorische Erweiterung der Arterien 
hinzutritt. Die in den Schädel eindringende Blutwelle bewirkt eine 
Diastole sämmtlicher Hirnarterien, und diese mit der Kraft der Herz¬ 
systole erfolgende Erweiterung des arteriellen Gefässbaumes erzeugt einen 
Druck auf die Hirnvenen, so dass bei jeder Pulsation das venöse Blut einen 
Stoss erleidet, der es in die venösen Blutleiter des Schädels unter höherem 
Drucke hineintreibt, als wie es bei der vis a tergo allein der Fall wäre. 
Der Versuch bestätigte die Richtigkeit dieser Voraussetzung. 
Ich trepanirte an Hunden den Schädel in der Mittellinie, legte den 
Sinus longitudinale bloss und eröffnete denselben ohne in den Meningeal- 
raum zu gelangen, damit das Ergehniss des Versuches nicht durch den 
Druck, unter welchem die Cephalo-Arachnoidal-Flüssigkeit steht, verun¬ 
reinigt würde. Die Verbindung des Blutleiters mit einem Manometer 
bewerkstelligte ich mittelst einer fest in die Schädelwand eingeschraubten 
metallischen Röhre von demselben Durchmesser, wie die zur Eröffnung 
des Schädels verwendete Trepankrone. Um ein genaues Maass für die 
Differenzen zu haben, welche die Schädelvenen im Vergleich zu denen 
anderer Körpertheile, wo der Druck höher ist, darbieten, bediente ich 
mich des Differentialmanometers und stellte den Blutdruck der V. cruralis 
mit dem des Hirn-Blutleiters zusammen. 
Hier führe ich in Kürze einige Data über einen dieser Versuche auf. 
Ich wähle einen grossen Hund, chloroformire ihn und präparire
        

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