Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den Kreislauf des Blutes im menschlichen Gehirn: Untersuchungen
Person:
Mosso, Angelo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8288/216/
XIII. Anämie und Hyperämie des Gehirns. 
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Blutmenge im Schädel bedeutend zunehmen kann, ohne dass es zu be¬ 
denklichen Störungen der geistigen Functionen komme. 
Handelt es sich einfach um venöse Stauung, so begreift Jeder¬ 
mann leicht, dass eine derartige Circulationsstörung von geringerem Be¬ 
lange für die Ernährung des Gehirnes sei. Aber die Sache gewinnt eine 
viel höhere Bedeutung für die heutzutage allgemein von den Physio¬ 
logen angenommene Theorie über die Natur der Hirnerscheinungen und 
ihre Abhängigkeit vom Blutkreisläufe, wenn wir sehen, dass auch eine sehr 
bedeutende arterielle Hyperämie des Gehirnes stattfinden kann, ohne 
dass die intellectuellen Verrichtungen die geringste Alteration erfahren. 
Dahin gehört der im vorigen Capitel (über die Wirkung des Amyl- 
nitrites) geschilderte Fall, wo wir die Circulation im Gehirne sich be¬ 
trächtlich beschleunigen, das Hirnvolumen zunehmen und die Arterien 
sich ausdehnen sahen, ohne das im psychischen Zustande ausser dem 
Wärmegefühl in der Gesichtshaut irgend etwas Abnormes eingetreten wäre. 
Das Fehlen einer Beziehung zwischen der Vermehrung der im Schädel 
enthaltenen Blutmenge und der Geistesthätigkeit scheint mir darin be¬ 
gründet, dass es hinsichtlich der letzteren nicht so wesentlich auf den 
Blutgehalt des Gehirns ankommt, als vielmehr erforderlich ist, dass das 
Blut in den psychischen Centren unter erhöhtem Drucke ströme, wenn in 
diesen Gebilden die Vorgänge des Stoffwechsels und damit auch die 
functionellen Leistungen lebhafter angeregt werden sollen. Erweitern sich 
die Hirngefässe wegen einer gefässlähmenden Einwirkung, wie die der 
Amylnitritinhalationen, so können wir annehmen, dass trotz der grösse¬ 
ren Blutanfüllung der arteriellen Gefässe im Gehirne, der Nutzen für 
den Ablauf der Functionen des letzteren null ist, weil der Blutdruck 
dabei vermindert wird. Bei verstärkter Hirnthätigkeit ist zwar die von 
uns beobachtete Volumszunahme geringer, aber die Blutcirculation den¬ 
noch reger, indem das Blut durch die Hirngefässe unter gesteigertem 
Drucke und mit grösserer Geschwindigkeit strömt. — Beugt man den 
Kopf nach vorne über, so kommt eine venöse Stauung zu Stande, wie ich 
es auch durch directe Beobachtungen an Bertino und an Catharina X. 
zu bestätigen Gelegenheit gehabt habe (die betreffenden Aufzeichnungen 
führe ich, da sie kein besonderes Interesse darbieten, nicht auf). 
Die unter solchen Umständen zu Stande kommende Circulations¬ 
störung kann nun bekanntlich bei vielen Personen allerdings zu Schwin¬ 
del, Gesichtsumnebelung und auch noch schwereren Zufällen Veran¬ 
lassung geben.
        

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