Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den Kreislauf des Blutes im menschlichen Gehirn: Untersuchungen
Person:
Mosso, Angelo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8288/16/
Historisch - kritische Einleitung. 
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alter vorkommt, die Menge des dieselbe umgebenden Wassers zunimmt, 
und giebt sodann die nöthigen Anweisungen für die Beobachtung und 
das Auffangen dieser Flüssigkeit. 
Er wies die Identität derselben in der Schädelhöhle und im Rück- 
gratskanale, sowie ihren freien Übergang aus dem einen Hohlraume in 
den anderen nach und zeigte, dass sie leicht am Cadaver aufgefangen 
werden kann, wenn man denselben in senkrechte Lage bringt und die 
Wirbelsäule in der Lendengegend öffnet. 
Während er an etwa 20 Leichen seine Versuche zur Bestimmung 
der Menge der Cerebrospinalflüssigkeit wiederholte, bemerkte er, dass 
diese Flüssigkeit ebenso gut auch bei unversehrtem Schädel aus einer in 
der Lendenregion angebrachten Öffnung ausfloss: „Quod si, capite integro, 
„lumborum vertebrae aperiantur, inclususque tubus durae matris incidatur, 
„humor affatim emerget : ac postquam tanta humoris copia emersit, quanta 
„ad locum incisum sponte descendit, si caput cadaveris attollatur quatia- 
„turque, versus locum apertum, quasi nova seaturagine reserata, vis aquae 
„uberior denuo redundabit.“1 
Diese Beobachtung, von welcher weder er selbst noch Jemand nach 
ihm Nutzen zu ziehen gewusst hat, ist wichtig genug, um unsere volle 
Beachtung zu verdienen. Die Thatsache, dass die Cerebrospinalflüssigkeit 
aus einer Öffnung der Lendenwirbelsäule bei unversehrtem Schädel aus- 
fliesst, und noch mehr, dass der Ausfluss von Neuem anfängt, wenn man 
den Kopf der Leiche hebt und schüttelt, ist uns der schlagendste Beweis 
dafür, dass das Volumen des Gehirns innerhalb gewisser Grenzen leicht 
wechseln kann und dass den Bewegungen, die bei offenem Schädel be¬ 
obachtet werden, auch bei geschlossenem Schädel kein Hinderniss im 
Wege steht. 
Bei den Versuchen, welche Poetal2 in Frankreich veranstaltete 
und im Jahre 1767 in einem Berichte an die Pariser Akademie der 
Wissenschaften beschrieb, ohne in Betreff der uns beschäftigenden Be¬ 
wegungen etwas Neues zu Tage zu fördern, ausser dass auch das Rücken¬ 
mark während der Exspiration anschwelle, wollen wir nicht weiter ver¬ 
weilen, sondern wenden uns sofort zu den von Richerand im Jahre 1799 
bekannt gemachten Untersuchungen. Dieser Forscher unterschied am 
Hirne zweierlei Bewegungen, deren eine die Hirnmasse verschiebt und 
hebt, während die andere eine allgemeine Schwellung und Turgescenz der¬ 
selben hervorbringt. Die hebende Bewegung hängt nach Richerand von 
der Diastole der an der Schädelbasis verlaufenden Arterien, die bei jeder 
1 A. a. 0. S. 21. 
2 Portal: Cours d’anatomie médicale. Paris, 1804, T. IY, p. 66.
        

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