Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den Kreislauf des Blutes im menschlichen Gehirn: Untersuchungen
Person:
Mosso, Angelo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8288/128/
VIII. Die Bewegungen der Blutgefässe im äusseren Ohre des Kaninchens. 119 
Bekanntlich verläuft in der Mitte des Ohrlappens, vom Grunde bis zur 
Spitze desselben, eine Schlagader, die ihre Zweige nach beiden Seiten aus¬ 
sendet, während der venöse Rückfluss von diesem Organtheile durch zwei 
an dessen Rändern verlaufende Yenenstämmchen vermittelt wird. Nun 
bemerkte Schiff, dass die Arterie abwechselnde Zusammenziehungs- und 
Erschlaffungsbewegungen darbietet, die der Systole und Diastole des Her¬ 
zens nicht entsprechen. Schaut man durch den Ohrlappen gegen das 
Licht, und zwar hei Vermeidung allen Druckes auf die Gefässe, so sieht 
man von Zeit zu Zeit das Lumen der Arterie enger werden und gar 
völlig verschwinden, worauf sich das Gefäss wieder und rasch erweitert 
und Blut in seine Gefässe sendet, so dass auch die Venen anschwellen 
und grösser werden. Diese Hyperämie des äusseren Ohres dauert einige 
Secunden und verliert sich allmählich, wobei die Venen auf ein geringeres 
Caliber zurückkehren. Schiff sah solche Bewegungen mit unregelmässigem 
Rhythmus meist vier oder fünf Mal in der Minute auf einander folgen, 
mitunter bis auf elf in der Minute ansteigen, selten bis auf zwei 
sinken, und er gab der betreffenden Arterie den Namen eines accessori- 
schen Herzens. 
Es ist hier nicht der Ort, uns auf eine Discussion über einen Namen 
einzulassen, welcher der Schlagader des äusseren Ohres eine ihr vielleicht 
gar nicht zukommende Verrichtung beimisst. Vielmehr nehmen wir die 
Thatsache, wie sie von Allen bestätigt worden ist, einfach hin, wollen 
aber sehen, oh es nicht durch neue Untersuchungen gelingt, für die 
Erscheinung eine Deutung ausfindig zu machen, die sie den obigen am 
Menschen betrachteten Vorgängen an die Seite stellt oder gar mit den¬ 
selben identifient, indem sie die Gefässbewegungen des Kaninchenohres 
jenes Scheines exceptioneller Bedeutung, unter dem sie sich bisher dar¬ 
geboten haben, entkleidet. 
Bei der Wiederholung der Versuche meiner Vorgänger habe ich 
gewisse Cautelen treffen müssen, die bisher den Physiologen haben über¬ 
flüssig scheinen mögen. Bisher hatte man die Beobachtungen einfach 
in der Weise angestellt, dass man das Kaninchen auf einen Tisch setzte 
und dessen Ohr mit den Fingern hielt. Statt dessen suchte ich, um dem 
Thiere alle Gemüthsbewegung zu ersparen, sein Ohr in der Weise zu 
beobachten, dass es dessen gar nicht gewahr würde. Zu diesem Behufe 
liess ich mir einen Käfig bereiten, der einen Fensterraum völlig ausfüllte, 
und dessen eine, dem Inneren des Zimmers zuzukehrende Wand solid 
war, damit die Kaninchen nicht hindurch sehen könnten. In dieser 
Wand aber waren einige Öffnungen angebracht, wodurch ich ungesehen 
die Kaninchen im Inneren des Käfigs beobachten konnte. Bei dieser 
einfachen Vorrichtung konnte ich nach Belieben die Thiere unter ihren
        

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