Bauhaus-Universität Weimar

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Wissenschaftliche Anstalten der Universität. 
Psychologisches 
Institut. 
Die Übungen zerfielen von Anfang an in theoretische und praktische. In 
den ersten, die stets von dem Unterzeichneten abgehalten wurden und deren 
Teilnehmerzahl auf etwa 50 gestiegen ist, werden Fragen aus allen Gebieten 
der speziellen und allgemeinen Psychologie, aber auch Grenzfragen gegen die 
Erkenntnistheorie, Ethik, Pädagogik, Rechtswissenschaft (Willenshandlungen), meist 
unter Bezugnahme auf vorliegende neuere Untersuchungen, durchgesprochen. Das 
Hauptgewicht liegt dabei auf der strengsten Genauigkeit in der Deutung der 
Beobachtungen, in der Bildung der Begriffe und der Prüfung der Beweisfüh¬ 
rungen. Ganz besonders hat es sich der Unterzeichnete auch angelegen sein 
lassen, die innige Verflechtung psychologischer mit allgemein-philosophischen 
Problemen den Teilnehmern zum Bewußtsein zu bringen. 
Die praktischen Übungen, die hauptsächlich von dem jeweiligen Assistenten ge¬ 
leitet werden, führen in das Detail und die Methodik der psychologischen Experimente 
ein. Den Kursen für Anfänger, die in den letzten Semestern 40 bis 50 Teilnehmer 
zählten, sind durch Dr. Rupp Kurse für Vorgeschrittene hinzugefügt worden. 
Die experimentell-psychologischen Arbeiten im Institut sind bis vor kurzem 
hauptsächlich von dem Direktor, den Assistenten und einigen bereits promovierten 
oder seit Jahren im Institute tätigen Herren ausgegangen. Diese Arbeiten er¬ 
schienen zumeist in der Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnes¬ 
organe, dem Archiv für die gesamte Physiologie, den Annalen der Physik und 
Chemie, den vom Unterzeichneten herausgegebenen Beiträgen zur Akustik und 
Musikwissenschaft, den Psychologischen Studien von F. Schumann und den 
Sammelbänden der Internationalen Musikgesellschaft. Sie betreffen die Gebiete 
der Ton- und Farbenempfindungen und der darauf bezüglichen psychischen 
Tätigkeiten, der Zeit- und Raumwahrnehmung, der Assoziations- und Willens¬ 
vorgänge, der unwillkürlichen Bewegungen, der Kinder- und Tierpsychologie und 
der musikalischen Ethnologie. In den letzten Semestern sind, nachdem die phy¬ 
siologische und psychophysische Methodik allmählich beträchtliche Fortschritte 
gemacht hat, auch Studierende in größerer Zahl zu Experimentalarbeiten heran¬ 
gezogen worden, zu deren Beaufsichtigung allerdings die Kräfte eines Assistenten 
auf die Dauer nicht hinreichen werden. Außer der experimentellen sind aber 
allezeit auch die theoretische Psychologie und ihre Geschichte, sowie angren¬ 
zende philosophische Gebiete bei der Wahl der Dissertationsthemen für die Teil¬ 
nehmer der Übungen berücksichtigt worden. 
Nicht selten haben Physiologen, Ärzte und Sprachforscher auf kürzere 
Zeit die Einrichtungen des Instituts für ihre Forschungen benutzt; und sehr 
vielfach ist es von ausländischen Forschern oder Vertretern des höheren Unter¬ 
richts aufgesucht worden, die sich für den Betrieb der experimentellen Psycho¬ 
logie in Deutschland interessierten, wie denn auch unter den Mitgliedern der 
Institutsübungen stets ein erheblicher Bruchteil dem Ausland entstammt.
        

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