Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Physiologische Institut der Medizinischen Fakultät in Belgrad als Unterrichtsanstalt
Person:
Burian, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8066/10/
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DIE MEDIZINISCHE FAKULTÄT IN BELGRAD 
e. Die sinnesphysiologische Abteilung (Abb. 3, Nr. 
35-37a): ein kleiner und zwei grössere Säle und ein 
Dunkelzimmer; die innere Ausstattung fehlt noch 
vollkommen. 
Werkstätte; Tierhaltung; Bibliothek 
Die Einrichtung der mechanischen Werkstätte musste 
gleich zu Beginn der Arbeit des physiologischen Insti¬ 
tuts in Angriff genommen werden, da ein Unterricht, 
der wesentlich aus Experimentalvorträgen und prak¬ 
tischen Übungen besteht, ohne leistungsfähige Werk¬ 
statt kaum denkbar ist und auch die Installierung der 
Unterrichts- und Forschungsräume die tätige Mit¬ 
wirkung einer solchen dringend erheischte. Wir können 
mit Befriedigung feststellen, dass die kleine mechanische 
Abteilung unseres Instituts (Nr. 10 and 11 in Abb. 2) 
ihrer Aufgabe durchaus gerecht wird. Sie verfügt zwar 
bloss über zwei Zimmer (Abb. 15) und ist auch nur in 
bescheidenstem Masse mit Arbeitsmitteln ausgestattet 
(ausser den gewöhnlichen Werkzeugen vorläufig nur 
zwei Drehbänke und Bohrmaschine), hat aber den¬ 
noch die meisten der oben beschriebenen Instal¬ 
lationen ausgeführt und sich bei allen unseren Arbeiten 
als Konstruktions- und Reparaturwerkstatt vollauf 
bewährt. 
Ist das Institut in dieser Hinsicht in relativ günstiger 
Lage, so leidet es dafür an einem anderen empfindlichen 
Mangel: dem Fehlen geeigneter Einrichtungen für die 
Tierhaltung. Siebzehn Zementbecken für Frösche, 
Schildkröten u. dgl. im Kellerraum Nr. 15 (Abb. 2) und 
ein kleiner Froschteich zwischen den beiden Flügeln 
des Gebäudekomplexes bilden zur Zeit die ganze dies¬ 
bezügliche Ausrüstung des Instituts. Vögel und 
kleinere Säugetiere halten wir nach Bedarf in Käfigen, 
die aufgestellt werden, wo es gerade die Umstände 
erlauben. Hunde und Katzen aber können bloss von 
Fall zu Fall angeschafft werden; wir verwenden sie 
einstweilen auch nur für Experimente, bei denen sie 
geopfert werden, da wir nicht in der Lage sind, operier¬ 
ten Tieren die zu längerer Erhaltung ihres Lebens 
unbedingt nötige Pflege angedeihen zu lassen. Es war 
von Anfang an geplant, und der Plan besteht auch 
jetzt noch, auf dem Grundstück des Instituts ein 
eigenes kleines Stallgebäude zu errichten, mit allen zur 
Pflege operierter und zur Wartung und Aufzucht nicht 
operierter Tiere erforderlichen Installationen. Wir 
halten in der Tat die Abtrennung der Tierställe vom 
Institutsgebäude für zweckmässig, ja geboten. Leider 
konnten jedoch die Mittel für die Durchführung dieses 
Plans bisher nicht flüssig gemacht werden. Hier tut 
Abhilfe dringend not. 
In durchaus befriedigendem Zustand befindet sich die 
Bibliothek des Instituts (Nr. 23 in Abb. 2). Sie ist 
ebenso wie das Lesezimmer (Nr. 24) bereits vollständig 
eingerichtet und ausreichend mit Fachliteratur versorgt. 
Die Zahl der dauernd gehaltenen Zeitschriften beträgt 
einige zwanzig, die der Bände (Monographien, Hand¬ 
bücher, und Zeitschriften zusammengenommen) in 
diesem Augenblick an tausend. 
ZUR METHODIK DES PHYSIOLOGISCHEN 
UNTERRICHTS AN DER BELGRADER 
MEDIZINISCHEN FAKULTÄT 
Allgemeines 
Dass sich die Lehrpläne der medizinischen Fakultäten 
verschiedener Staaten, ja selbst einunddesselben Staates 
oder Staatenbundes vielfach in den wichtigsten Punkten 
unterscheiden, ist gewiss kein erwünschter Zustand. 
Freilich, eine völlige Uniformierung ist kaum zu erstre¬ 
ben und wäre auch, wie Abraham Flexner in seinem 
bekannten Buche dartut, in absehbarer Zeit gar nicht 
zu erreichen, da jedes einzelne der bestehenden Systeme 
des medizinischen Unterrichts historisch bedingt, in 
örtlichen Verhältnissen verankert und vom allgemeinen 
Unterrichtssystem des betr. Landes (Mittelschulvor¬ 
bildung!) in hohem Grade abhängig ist. Aber eine 
bessere Übereinstimmung in den Hauptprinzipien, eine 
grössere Gleichförmigkeit der Grundstruktur der 
Lehrpläne ist zweifellos ein Bedürfnis. Die Gesamt¬ 
dauer des medizinischen Studiums und—im Rahmen 
dieses Zeitraums—die Dauer des “vorbereitenden” 
und des “abschliessenden” Unterrichts; die etwaige 
Bifurcation des letzteren in einen “kurativen” und 
einen “präventiv-medizinischen” Zweig; der Mindest¬ 
umfang, in welchem die praktische Unterweisung im 
Laboratorium und am Krankenbett schon während der 
Studienzeit zu betreiben ist, wie anderseits Dauer und 
Gestaltung der obligatorischen praktischen Ausbildung 
des jungen Arztes nach Ablauf der genannten Zeit: 
all das und viel anderes sind Fragen, in denen eine 
grundsätzliche Einigung erzielt werden sollte und ohne 
Schaden für die Anpassung des Unterrichts an die 
lokalen Bedürfnisse auch erzielt werden könnte. Es 
wäre sicherlich zu empfehlen, diese und ähnliche Fragen 
in den Methods and Problems of Medical Education, 
sowie auf Versammlungen fachmännischer Delegierter 
der verschiedenen Länder eingehend und systematisch 
zu erörtern. 
Am stärksten fühlbar machen sich die Unterschiede 
der medizinischen Lehrpläne vielleicht in den vorklini¬ 
schen Fächern. Für den physiologischen Unterricht 
ist es z. B. durchaus nicht belanglos, ob er gleichzeitig 
mit dem Unterricht aus der Anatomie beginnt und sich 
wie dieser auf das erste und zweite Studienjahr erstreckt 
oder bloss im zweiten Jahr betrieben wird, jedoch nach 
Absolvierung des Lehrganges der deskriptiven Anato¬ 
mie; oder ob gleichzeitig mit ihm bereits der patholo¬ 
gische bzw. ein propädeutisch-klinischer Unterricht 
stattfindet; oder ob die Studenten gehalten sind, gegen
        

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