Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychologie des Schreibens: Mit besonderer Rücksicht auf individuelle Verschiedenheiten der Handschriften
Person:
Preyer, William T.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit7744/216/
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Formen des Schreiberkrampfs, aber aucb funktionell bei ganz 
Gesunden (S. 35), wenn sie sebr ermüdet sind, und, wie icb 
S. 36) zeigte und durch mehrere Schriftproben erläuterte, wenn 
sie mit anderen Körperteilen, als der Hand, ohne Übung zu 
schreiben versuchen oder mit den Händen schreiben, indem sie 
dieselben anders als gewöhnlich verwenden, die Schreibfläche 
z. B. hei feststehendem Schreibstift bewegen und so Schriftzüge 
hersteilen (S. 43) oder unterzeilig umgekehrt schreiben (Taf. I. 
Fig. 1). 
In allen diesen Fällen kommen ataktische Federzüge vor, 
ebenso wie bei dem Kinde, das schreiben lernt, bald reichlich, 
bald spärlich. Je mehr die Übung fortschreitet und, im Falle 
eine Muskelermüdung vorlag, je mehr die Erholung sich geltend 
macht, um so mehr schwindet alles Ataktische aus der Schrift, 
•was ich an mir seihst wiederholt nach absichtlich herbeigeführter 
graphischer Ataxie beobachtet habe. 
Bei den chronischen Krankheiten des Centralnervensystems 
hingegen, für welche die durch Ataxie der Handbewegungen 
bedingte ataktische Handschrift ein charakteristisches Symptom 
ist, kann sie dauernd nicht beseitigt werden, so lange jene Ataxie 
besteht. 
Hie rein ataktische Handschrift unterscheidet sich von der 
normalen durch eine excessive Ausführung einzelner Buchstaben, 
die zwar oft noch erkannt werden können, „bei deren Anfertigung 
aber jede Rücksicht auf Geradheit, Gröfse und Lage der einzelnen, 
den Buchstaben zusammensetzenden Teile aufser Acht gelassen wird. 
Im wilden ausfahrenden Zuge wird der Haarstrich gezogen; der 
Grundstrich w'ird dicker, fester, länger als normal; die Windungen 
und Biegungen verlieren ihre Rundung, werden eckig, zu grofs; der 
eine Buchstabe wird kleiner als sein Kachbar, der andere gröfser; 
die gerade Richtung wird nicht eingehalten, und die einzelnen 
Worte stehen zu einander in schiefen, sich kreuzenden Linien — 
die Schrift bekommt mit einem Wort ein ungeschlachtes, un¬ 
beholfenes und unordentliches Aussehen. Dies alles kann natür¬ 
lich nur auf Kosten der Deutlichkeit geschehen, und es ist leicht 
begreiflich, dafs die ataktische Schrift in der That nicht selten 
ganz unleserlich wird.u (Erlenjieyer.) 
Y on diesen für jede ausgeprägt ataktische Handschrift voll¬ 
kommen zutreffenden Merkmalen ist vielleicht der Mangel an
        

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