Volltext: Zur Psychologie des Schreibens: Mit besonderer Rücksicht auf individuelle Verschiedenheiten der Handschriften

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Nebensächlichem zu befassen, entspringen, wurde schon erörtert 
(S. 87). Ebenso bedarf der Ersatz mehrerer Endbuchstaben 
durch eine gewellte oder gerade Linie (S. 112) und die 
Lückenhaftigkeit der Buchstaben beim Zittern hier keiner Er¬ 
läuterung mehr. 
Die Zerstückelung der Buchstaben in ihre Teile (S. 11) ist 
ein Zeichen ungewöhnlich weitgehender Intuitivität (S. 140), das 
Unterbrechen des Zusammenhanges der Wörter durch Striche 
(S. 11), statt der Interpunktionszeichen, läfst auf Vorsicht und eine 
Neigung, ohne Grund mifstrauisch zu sein, schliefsen (vgl. S. 109), 
die übertriebene Häufung von Absätzen (S. 11) mit grossem 
Zeilenabstand auf eine Neigung zur Freigebigkeit, wenn die Schrift 
rechtsschräg ist und die Wörter, sowie in ihnen die Buchstaben, 
weit voneinander abstehen. Findet aber die Unterbrechung des 
Textes durch gehäufte Ausrufungs- und Fragezeichen oder Punkte 
statt, so ist der Briefsteller erregt, im Falle zwei Ausrufungs¬ 
zeichen oder noch mehr nebeneinanderstehen, exaltiert (S 129). 
Man stelle sich vor, welchen Eindruck ein solcher Brief gedruckt 
auf einen ruhigen Leser machen würde. 
Diese und noch manche andere Anomalien und Unvollständig¬ 
keiten der Schrift haben bereits im vorigen, als die Deutung der 
Buchstabenformen versucht wurde, Berücksichtigung gefunden. 
Von der Un Vollständigkeit der Wörter bei absichtlichen Ab¬ 
kürzungen war jedoch bisher nicht die Rede. 
Die Benutzung leicht zu verstehender Abkürzungen beim 
Briefschreiben und in Manuskripten findet man viel seltener in 
Deutschland, als dem Sinn für Zeitersparnis entspricht. Und es 
ist bemerkenswert, dafs in England schon längst, namentlich auf 
Postkarten, die unnötige Anrede und Versicherung der persön¬ 
lichen Hochachtung am Schlufs in Wegfall gekommen sind. 
Es sind sogar in den Kreisen der Geschäftsleute in Deutschland, 
die doch sonst den Grundsatz „Zeit ist Geld“ beachten, viel zu 
wenige derartige Abkürzungen üblich, wie: val.; Gtge; JProv.; fr.) 
fl-) £; %; %o; Disc.; Cpn. 
Wer nicht allein den durch nichts zu ersetzenden Wert der 
Zeit erkannt hat, was erst nach dem Ablauf der Jugend möglich 
ist, sondern auch dieser Einsicht entsprechend handelt, der wird 
sich nicht darauf beschränken, überflüssige Wörter, wie „Hoch- 
wohlgeboren“, „Hochachtungsvoll“, „Ergebenst“ und viele andere
	        
Waiting...

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