Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychologie des Schreibens: Mit besonderer Rücksicht auf individuelle Verschiedenheiten der Handschriften
Person:
Preyer, William T.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit7744/110/
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eine starke Neigung, zu anderen hinaufzusehen, bedeutet, liegt nicht 
vor. Da hei einer ganzen Reihe von Majuskeln eben derselbe Unter¬ 
schied konstatiert werden kann, indem das unbewufste Zusammen¬ 
wirken derselben psychischen Faktoren bei Erzeugung der ver 
schiedensten Schriftbilder hervortritt, so möchte ich die Vermutung 
aussprechen, dafs hier einerseits das Herabsehen des Stolzen 
auf andere, andererseits das Hinaufsehen des Ehrgeizigen zu 
anderen in Betracht kommen kann. Denn was im Vorde rgrunde 
des seelischen Geschehens steht, wird bei der Aufserung prävalenter 
Vorstellungen durch die Schreibbewegungen mit in den Vorder¬ 
grund treten, also bei der Entstehung der Anfangsbuchstaben der 
Wörter, der Sätze, besonders aber eines Briefes und der Adresse 
desselben, hervorstechend mitwirken können. Überwertige Ideen 
kommen zuerst zur Geltung, minderwertige zuletzt. Also darf 
man vielleicht annehmen, dafs der Gedanke und das Gefühl, 
andere zu überragen, bei dem Stolzen während der Bildung des 
inneren Majuskelbildes aus den aufgespeicherten Schrift-Erinne¬ 
rungsbildern sich unbewufst geltend macht durch das weiter hinauf¬ 
steigende erste Stück, welches die folgenden oder das folgende 
überragt. Umgekehrt bei dem, der sich anderen unterordnet, in 
irgend einem Punkte sieh von ihnen abhängig fühlt. Da ist die 
erste Federbewegung von geringerer Exkursion, als die folgenden 
oder die folgende (Schriftproben S. 99). Die merkwürdige Er¬ 
hebung des mittleren Stückes im M und im W über die beiden 
anderen Theile hinaus würde dann einem Herabsehen des Empor¬ 
kömmlings auf seine eigene einfache Vergangenheit und zugleich 
auf andere, die es nicht so weit brachten, entsprechen. Auch 
das kleine m zeigt solche Verschiedenheiten. 
Eine andere charakteristische Form erhalten viele Majuskeln 
und Endbuchstaben dadurch, dafs die Federspitze centripetal zum 
Schreibenden zurückbewegt wird nach der Fertigstellung des 
grofsen Anfangsbuchstabens oder des Wortes, z. B. :
        

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