Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des Gesichtssinns, Erster Theil: Dioptrik. Nebenapparate des Auges
Person:
Fick, Adolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit7707/85/
Maass des Akkommodationsvermögens. 
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tionsvermögen unendlich lang* ist. So paradox dies auf den ersten 
Blick aussieht, so wird es doch sofort verständlich, wenn man be¬ 
denkt, dass unser myopisches Auge durch Vorsetzen eines Zerstreuungs¬ 
glases von 7 Zoll negativer Brennweite in einen dioptrischen Apparat 
verwandelt wird, der das unendliche Akkommodationsspatium von oo 
bis 5 Zoll beherrscht. In der That fallen jetzt in dem aus Auge 
und Zerstreuungsglas zusammengesetzten Apparate beim Ruhezustände 
des Auges die Bilder unendlich ferner Gegenstände auf die Netzhaut 
denn von einem unendlich fernen Punkt erzeugt die Linse zunächst 
ein virtuelles Bild in 7 Zoll Abstand von sich selbst und das Bild 
dieses Bildes im Auge fällt unter den gemachten Voraussetzungen 
auf die Netzhaut, sofern wir von dem kleinen Abstande zwischen 
Linse und Auge absehen. Verwandelt sich nun aber das Auge in 
eines von der Myopie -77, so sieht es mit der Linse zusammen einen 
5" abstehenden Punkt deutlich, denn von diesem erzeugt die Linse 
ein Bild gerade im Abstande von 2H Zoll, wie es das veränderte 
Auge zum deutlichen Sehen braucht. 
Das vorstehend entwickelte Maassprincip des Akkommodationsver¬ 
mögens ist von Donders in die Ophthalmologie eingeführt. Jedoch habe 
ich selbst schon, ehe Donders die Refraktionszustände durch die reci- 
proken Werthe der Sehweite zu messen vorschlug, die Werthe des Ak¬ 
kommodationsvermögens nach demselben Princip verglichen.1 
II. Die Veränderungen des brechenden Systèmes. 
Es lassen sich von vornherein verschiedene Wege denken, auf 
welchen der Myopiegrad des Auges erhöht werden kann. Demge¬ 
mäss sind auch in der Geschichte der Wissenschaft verschiedene An¬ 
sichten über das Wesen des Anpassungsvorganges aufgetaucht, die 
indessen gegenwärtig, wo man das Problem vollständig gelöst hat, 
nur noch ein historisches Interesse haben, und nur flüchtig zu be¬ 
rühren sind. 
Am nächsten läge offenbar die Annahme, dass die Anpassung 
des Auges an verschiedene Entfernungen ähnlich bewerkstelligt würde 
wie die Anpassung der photographischen Camera obscura, nämlich 
ohne Veränderung des dioptrischen Apparates durch Verschiebung 
1 Siehe Fick, Medicinische Physik. 1. Aufl. S. 306 f. Braunschweig 1856.
        

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