Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des Gesichtssinns, Erster Theil: Dioptrik. Nebenapparate des Auges
Person:
Fick, Adolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit7707/43/
Die Brechimgsindices der durchsichtigen Augenmedien. 
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tigkeit ist, und dazwischen liegen alle Linsenschichten, sowie die bloss 
gedachten unendlich dünnen Schichten wässriger Feuchtigkeit. Das 
ganze System wird offenbar kollektiv wirken. Man kann aber dies 
System auch in Partialsysteme zerlegen, indem man jede Linsen¬ 
schicht mit den beiden angrenzenden Schichten wässriger Feuchtig¬ 
keit für sich betrachtet. Von diesen Partialsystemen ist nur das vom 
Linsenkern gebildete kollektiv, die andern sind sämmtlich dispansiv, 
denn jede der um den Kern gelagerten Linsenschichten ist auf ihrer 
konkaven Seite stärker gekrümmt als auf ihrer konvexen und bildet 
in wässriger Feuchtigkeit eingetaucht eine konvexkonkave Linse. 
Die dispansive Kraft einer solchen ist offenbar um so grösser, je 
mehr der Brechungsindex ihrer Substanz den des beiderseits angrenzen¬ 
den Mediums übertrifft. Man wird also die dispansive Kraft aller dieser 
konvexkonkaven Linsen steigern, wenn man den Brechungsindex aller 
vermehrt bis zu dem Werthe, welcher dem Brechungsindex des Linsen¬ 
kernes zukommt, d. h. wenn man die geschichtete Linse ersetzt denkt 
durch eine homogene vom Brechungsindex des Kernes. Es ist aber 
klar, dass eine Erhöhung der dispansiven Kraft der sämmtlichen 
dispansiven Partialsysteme die kollektive Gresammtwirkung vermin¬ 
dern müsste, welche das ganze aus den Konkavlinsen und dem (kol¬ 
lektiv wirkenden) Kern ausübt. Somit ist bewiesen, dass eine ho¬ 
mogene Linse, deren Brechungsindex dem des Linsenkerns entspricht, 
noch immer nicht so kleine Brennweiten besitzen wird, als die wirk¬ 
liche geschichtete Linse. Will man also eine homogene Linse für 
die geschichtete setzen, so muss ihr ein Brechungsindex beigelegt 
werden, noch grösser als der des Linsenkernes. In den neueren 
Darstellungen der physiologischen Optik hat man — nicht ohne eine 
gewisse Willkür — als Brechungsindex der homogen gedachten 
Linse die Zahl 16 n angenommen, die zuerst von Listing vorge¬ 
schlagen ist und die den vorhin angegebenen KRAuSE’schen Mittel¬ 
werth 1,4541 des Brechungsindex des Linsenkernes um 0,0004 über¬ 
trifft. Jedesfalls giebt diese Zahl in die Rechnungen eingeführt sehr 
annähernd richtige Resultate. Helmholtz hat an den Linsen von 
Leichen die Halbmesser der beiden Flächen und die Dicke zwischen 
den Scheiteln gemessen, und dann mit der Zahl 16/n als Brechungs¬ 
index die Brennweite berechnet. Andererseits hat er diese Brenn¬ 
weite direkt bestimmt und auf beiden Wegen nur sehr wenig ab¬ 
weichende Werthe gefunden. 
Auch vom Brechungsindex der Hornhaut und der Linsenkapsel sind 
neuerdings einzelne Bestimmungen ausgeführt. Sie haben Werthe er¬ 
geben, die nicht sehr weit von denen des Brechungsindex der wässrigen
        

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