Volltext: Erster Theil: Physiologie des Gesichtssinns, Erster Theil: Dioptrik. Nebenapparate des Auges (3)

1 20 Fick, Physiol. Optik I. 6. Cap. Abweichungen d. wirklichen Auges vom idealen. 
Streuungsfelde erklärt sich ferner noch leicht die Thatsache, dass linien- 
formige Objekte bei unpassender Einrichtung des Auges für ihre Ent¬ 
fernung meist scheinbar mehrfach gesehen werden. In der That denken 
wir uns an Stelle des einzelnen leuchtenden Punktes eine leuchtende 
Gerade, so wird sich auf der Netzhaut die Zerstreuungsfigur sovielemale 
in stetiger Folge nebeneinanderlegen als die Gerade Punkte enthält. 
Die auffallend hellen Stellen der Zerstreuungsfigur werden sich dabei 
zu ebensovielen Bildern der Linie aneinanderreihen, zwischen denen 
die dunkleren Stellen der Zerstreuungsfigur wegen des Contrastes 
ganz übersehen werden. Die Linie wird also mehrfach erscheinen. 
Dasselbe wird auch noch stattfinden, wenn das Objekt nicht eine un¬ 
endlich feine Linie ist, sondern ein Flächenstreif, dessen Breite nur so 
klein ist, dass ihr genaues Bild auf der Netzhaut schmäler wäre als die 
Zerstreuungsfigur eines Punktes. Aus diesem Grunde sehen Kurzsich¬ 
tige stets den Mond, besonders den sichelförmigen, scheinbar mehrfach. 
Die Lage und Grösse der Schatten von gröberen Unregelmässig¬ 
keiten auf der Retina wird der wirklichen Lage und Grösse dersel¬ 
ben um so genauer entsprechen, je annähernder parallelstrahlig das 
im Auge fortgepflanzte Bündel ist. Auf diese Bemerkung gründet 
sich eine Methode, kleine Körperchen im Auge zu untersuchen oder 
wie man sich ausdrückt „entoptisch wahrzunehmen“. 
Man bringe einen leuchtenden Punkt in die vordere Brennebene 
des Auges, also etwa 12 mm. vor die Hornhaut, dann wird das von 
ihm ausgesandte Strahlenbündel den Glaskörper ziemlich parallel¬ 
strahlig durchlaufen und auf der Netzhaut eine Zerstreuungsfigur be¬ 
leuchten, welche der Pupille ähnlich und ein wenig grösser als sie 
ist. Der leuchtende Punkt ist am leichtesten herzustellen, indem man 
in ein schwarzes Kartenblatt mit einer Nadel ein feines Löchelchen 
sticht und das Blatt senkrecht zur Axe des Auges in etwa 12 mm. 
Entfernung von der Hornhaut hält vor einem ausgedehnten gleich- 
mässig leuchtenden Hintergrund. Auch das von einer Sammellinse 
gelieferte physische Bild eines stark leuchtenden Punktes kann zweck¬ 
mässig verwendet werden. Kleine Bewegungen des Objektpunktes 
in der vorderen Brennebene lassen sich durch Verschiebungen des 
Kartenblattes bei der ersten Versuchsweise leicht ausführen. Solche 
haben den Erfolg, dass das parallelstrahlige Bündel abwechselnd in 
verschiedener Richtung den Glaskörper durchläuft und verschiedene 
Stellen der Netzhaut trifft. Dabei treten dann auch oft Schatten von 
zwei Körperchen auseinander, welche bei der ersten Stellung des 
Lichtpunktes zusammenfielen, weil sie in der ersten Richtung des 
Strahlenbündels genau hintereinander liegen. Auch verschieben sich
	        
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