Volltext: Erster Theil: Physiologie des Gesichtssinns, Erster Theil: Dioptrik. Nebenapparate des Auges (3)

Ungleiche Beleuchtung im Zerstreuungskreis. 
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gleichmässige Trübung der brechenden Medien. Jeder Strahl eines 
Bündels nämlich, yelcher auf eine gröbere Unregelmässigkeit trifft, 
wird zurückgeworfen absorbirt oder seitwärts gebrochen, fällt also 
aus dem Bündel aus. Vereinigen sich nun die übrigen regelmässig 
weitergehenden Strahlen auf einen Punkt der Netzhaut, so wird man 
nichts bemerken. Nur wenn die Unregelmässigkeiten ihren Sitz ganz 
hinten im Glaskörper haben, da wo die zu den Bildpunkten konver- 
girenden Strahlenbündel schon überaus dünn sind, können sie ganze 
solche Bündel abfangen und Lücken oder Schatten im deutlichen 
Bilde erzeugen, die unter dem Namen der „fliegenden Mücken“ be¬ 
kannt sind. 
Sowie aber die Einstellung des Auges fehlerhaft ist, so dass 
jedem leuchtenden Punkte ein Zerstreuungskreis auf der Netzhaut 
entspricht, so machen sich die gröberen Unregelmässigkeiten durch 
Schattenwerfen geltend. Mag nämlich der Zerstreuungskreis dadurch 
entstehen, dass der Bildpunkt vor oder hinter die Retina fällt, so 
werden in ihm ebenso viele dunklere Stellen sein als gröbere Unregel¬ 
mässigkeiten auf dem Wege des Strahlenbündels lagen. In der That 
sieht auch der Zerstreuungskreis eines einzelnen leuchtenden Punktes 
im Auge durchaus nicht so aus wie eine gleichmässig beleuchtete 
runde Scheibe, sondern man sieht innerhalb der im allgemeinen kreis¬ 
förmigen oder wegen des Astigmatismus etwas ovalen Umgrenzungs¬ 
linie hellere und dunklere Stellen in unregelmässigem Wechsel neben¬ 
einander. Ein kurzsichtiges Auge kann sich diesen Anblick leicht 
verschaffen durch Anblicken eines hellen Sternes oder einer fernen 
Flamme z. B. einer Strassenlaterne in dunkler Nacht. Ein Normal- 
sichtiger müsste eine convexe Linse dabei vor das Auge nehmen Um 
einen einzelnen leuchtenden Punkt zu nahe vor dem Auge zu haben, 
braucht man nur ein feines Löchelchen in einem schwarzen Karten¬ 
blatt einige Centimeter vom Auge entfernt vor einen hellen Hinter¬ 
grund zu bringen. Hier zeigt sich wesentlich dieselbe Erscheinung. 
Regelmässig hat in der Zerstreuungsfigur die Lichtvertheilung 
einen mehr oder weniger ausgesprochen sternförmigen Charakter. Dies 
hängt ganz entschieden mit dem sternförmigen Bau der Linse zusam¬ 
men, doch ist eine strenge Erklärung der Einzelheiten noch nicht ge¬ 
geben. Ebenso dürfte die nicht zu bezweifelnde Thatsache noch der 
Erklärung warten, dass immer gegen den Rand des Zerstreuungs¬ 
kreises die durchschnittliche Helligkeit geringer ist als in der Mitte, 
wenn der Zerstreuungskreis durch zu grosse Ferne des leuchtenden 
Punktes bedingt ist. 
Aus der beschriebenen ungleichmässigen Lichtvertheilung im Zer-
	        
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