Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des Gesichtssinns, Erster Theil: Dioptrik. Nebenapparate des Auges
Person:
Fick, Adolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit7707/110/
110 Fick, Physiol. Optik I. 6. Cap. Abweichungen d. wirklichen Auges vom idealen. 
unendlich kleine Wahrscheinlichkeit und es werden im Allgemeinen 
die Ebenen der stärksten Krümmung bei den verschiedenen Flächen 
weder zusammenfallen, noch aufeinander senkrecht stehen, sondern 
beliebige schiefe Winkel miteinander bilden. In einem solchen Falle 
wird die Lage der vorderen Brennlinie mit keiner der Ebenen schwäch¬ 
ster Krümmung genau zusammenfallen, sondern eine mittlere Lage ein¬ 
nehmen, die von der Orientirung der Flächen und von den Unter¬ 
schieden ihrer Krümmungshalbmesser abhängt in einerWeise, die hier 
nicht eingehend zu erörtern ist. 
Da an einer Fläche des Auges, nämlich an der vorderen 
Hornhautfläche eine verschiedene Krümmung in verschiedenen Meri¬ 
dianen als normale Bildung nachgewiesen ist, so haben wir nach den 
vorstehenden Erörterungen zu erwarten, dass die Strahlenbündel im 
Glaskörper, die soeben beschriebene Abweichung von der Homo- 
centricität zeigen, welche als „Astigmatismus1, bezeichnet wird. In 
der That ist es ja, wie schon bemerkt wurde, sehr unwahrscheinlich, 
dass [etwa bei jedem normalen Auge der Astigmatismus der Hornhaut 
durch einen entgegengesetzten Astigmatismus der Linsenflächen genau 
compensirt wird. Sahen wir doch die Lage des Meridianes stärkster 
Krümmung der Hornhaut bei verschiedenen Augen ganz regellos va- 
riiren. Wie sollte da der compensirende Astigmatismus der Linse 
diesen regellosen Variationen in jedem Individuum genau folgen? 
Man könnte jetzt verlangen, dass die Abweichungen der Linsen¬ 
flächen von der Kugelgestalt oder von der genauen Centrirung ähn¬ 
lich wie die der Hornhaut objektiv durch Messung der Beflexbilder 
bestimmt würden und dass dann der resultirende Astigmatismus des 
Auges berechnet würde. Die Lösung dieser Aufgabe ist indessen 
wohl fürs erste unmöglich. Man muss sich daher darauf beschrän¬ 
ken, durch subjektive Prüfungen über den resultirenden Astigmatis¬ 
mus eines Auges sich Kenntniss zu verschaffen. Jedesfalls ist der¬ 
selbe übrigens bei normalen Augen so gering, dass er sich beim 
Sehen der alltäglichen Objekte nicht störend bemerldich macht. 
Beim Betrachten gewisser Objekte kann man sich aber leicht über¬ 
zeugen, dass fast jedes Auge mit einem mehr oder weniger hohen 
Grade von Astigmatismus behaftet ist. Das geeignetste Objekt zu 
diesem Zwecke bildet ein sternförmiges System feiner schwarzer Striche 
auf hellem Grunde wie Fig. 27. Stellt man ein solches dem Auge 
gegenüber in die Ferngrenze des Sehens (ein emmetropisches oder 
hypermetropisches Auge wäre dabei mit einer Sammellinse zu be¬ 
waffnen), so wird man selten auf ein Auge treffen, welches alle Striche 
gleich deutlich sieht, wenn es den Kreuzungspunkt derselben fixirt.
        

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