Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beobachtungen über eine eiweissartige Substanz in Krystallform
Person:
Reichert, K. E. [Corr.: K. B.]
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit7256/38/
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Ferner verhalten sich nachweislich die einfachen Auf¬ 
lösungen bei Aufnahme eines dritten Körpers durchaus an¬ 
ders, als unsere Krystalle in ihren Verbindungen bei Hinzu¬ 
leitung eines neuen, wenn man so sagen soll, löslichen Stof¬ 
fes. Die einfachen Auflösungen nehmen, wofern nicht eine 
chemische Zersetzung herbeigeführt wird, noch andere lös¬ 
liche Stoffe auf und lassen höchstens eine Portion des ge¬ 
lösten Körpers, wie es die Temperatur oder der Sättigungs¬ 
grad erfordert, entweichen. Wird nun die Verbindung der 
Krystalle etwa mit den Säuren einfacher Auflösungen gleich¬ 
gestellt, so folgt, dass, wenn zu solchen Krystallen neue 
Säuren hinzugefügt werden, ~die Aufnahme derselben etwa 
unter Entweichung einer Portion der bereits gelösten Säure 
stattfinden muss. Unsere Versuche hingegen zeigen, dass 
die schwächeren Säuren gar keinen Eingang erhalten, und 
dass die stärkeren Säuren die gelösten schwächeren gänz¬ 
lich vertreiben. Dasselbe wurde auch in Betreff der Alka¬ 
lien beobachtet. In diesen Fällen lässt man den Kr y st all 
die Rolle des Auflösungsmittels übernehmen. Wird zu dem 
Krystall in Verbindung mit einer Säure oder einem Alkali 
Wasser hinzugeleitet, so kann die schon aufgenommene 
Säure oder das Alkali als Auflösungsmittel gelten. Hier 
sehen wir allerdings, dass der Krystall in Verbindung mit 
Kali Wasser aufnimmt, in Verbindung mit der Säure dage¬ 
gen, nach Entweichung der Säure zum Wasser, auch wenn 
dasselbe reichlich zufloss, vollkommen restituirt wird. — 
Also auch die Ansicht, dass die Verbindungen der Krystalle 
mit den verschiedenen Stoffen der einfachen Auflösungen 
gleichzustellen seien, bietet manche Schwierigkeiten und Wi¬ 
dersprüche dar. 
c) Es bleibt nunmehr noch übrig, das eigenthümliche 
Verhalten der Krystalle mit Rücksicht auf wirklich chemi¬ 
sche Aktionen zu prüfen. 
Die chemischen Verbindungen offenbaren nicht durch¬ 
weg ein und dasselbe gesetzliche Verhalten. Die anorgani-
        

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