Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beobachtungen über eine eiweissartige Substanz in Krystallform
Person:
Reichert, K. E. [Corr.: K. B.]
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit7256/36/
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mit dem wirklichen Verhalten der Krystalle im vollen Wi¬ 
derspruch stehenden Konsequenzen dieser Ansicht. 
Die eben geführten Erörterungen beweisen, dass die 
Annahme eines kapillaren Höhlensystems in den Krystallen 
mit den dabei etwa nothwendig werdenden Konsequenzen 
das gesetzliche Verhalten der Krystalle bei den Verbindun¬ 
gen und Trennungen nicht allein nicht erklärt, sondern so¬ 
gar grösstentheils auf Widersprüche stösst und eigentlich 
nur die Erhaltung der Form verständlich macht. 
b) Versuchen wir demnach die Prüfung der Ansicht, 
dass das bezeichnete Verhalten der Krystalle mit dem ge¬ 
setzlichen Verhalten einfacher Auflösungen übereinstimme. 
Es wurde bereits erwähnt, dass mehrere Forscher die 
Aufnahme von Stoffen durch die Zellenmembranen mit der 
einfachen Auflösung von Salz in Wasser verglichen haben. 
Auch bei den Processen, die unter den Namen der „Imbi¬ 
bition, Absorbtion, Infiltration thierischer Häute durch Flüs- 
sigkeiten“ aufgefasst werden, desgleichen selbst bei der En¬ 
dosmose und Exosmose dürfte sich diese Vorstellung behufs 
der Deutung der Erscheinungen zum Theil wenigstens gel¬ 
tend machen können. Auf diesem Standpunkte leugnet man 
in den Albuminat-Krystallen die Anwesenheit von Poren, 
die die Natur der kapillaren Röhrchen hätten. Die Substanz 
des Krystalls wird homogen gedacht, aber durchdringlich 
für verschiedene Stoffe, wie bei einer wirklichen chemischen 
Mischung; auch nach der Aufnahme von fremden Stoffen 
bleiben die Krystalle homogen, wie bei einer chemischen 
Verbindung. Es wird demnach bei der Prüfung dieser An¬ 
sicht besonders zu untersuchen sein, ob bei den Verbindun¬ 
gen der Krystalle mit den verschiedenen Stoffen und den 
Trennungen von ihnen jene gesetzlichen Erscheinungen sich 
rnarkiren, wodurch die einfachen Auflösungen von den che¬ 
mischen Verbindungen empirisch unterschieden werden kön¬ 
nen. Es hat inzwischen die Deutung der Verbindungszu¬ 
stände des Krystalles mit den Säuren, Basen etc. als ein-
        

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