Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bemerkungen zu vorstehendem Aufsatze: Neiglick, Zur Psychophysik des Lichtsinns
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit724/1/
Bemerkungen zu vorstehendem Aufsatze. 
Von 
W. Wundt. 
Die Ergebnisse der obigen Untersuchung sind, wie ich glaube, 
in mehrfacher Beziehung von großem Interesse. Besonders ist es der 
Nachweis, dass die für den Contrast »günstigen Unterschiede« der 
Lichtintensität in einer einfachen, durch eine geometrische Progres¬ 
sion darzustellenden Beziehung zu einander stehen, der auf die Theorie 
des Contrastes ein neues Licht zu werfen verspricht. Mit diesem 
Nachweis steht aber der andere, dass das W eber’sche Gesetz bei der 
Methode der mittleren Abstufungen nur dann strenge zutriift, wenn 
die zu vergleichenden Lichtintensitäten Glieder j ener Proportionenreihe 
»günstiger Unterschiede« sind, im innigsten Zusammenhänge. Beide 
Sätze erscheinen, wenn man erwägt, dass nach des Yerfasser’s Ver¬ 
suchen alle Lichtvergleichungen mit dem Einfluss des Contrastes be¬ 
haftet bleiben, also in Wahrheit Contrastversuche sind, lediglich 
als verschiedene Ausdrucksformen einer und derselben That- 
sache. Denn das Web er’sehe Gesetz ist es ja eben, welches eine 
solche Ordnung der verglichenen Reizstärken in einer geometrischen 
Reihe fordert. 
Als das wesentliche Ergebniss der Versuche des Herrn Neiglick 
dürfte daher dieses festzuhalten sein, dass dieselben eine neue, 
bisher nicht beobachtete Art der Abweichung vom Weber- 
schen Gesetze darthün, darin bestehend, dass genaue 
tfebereinstimmung mit diesem Gesetze nur bei bestimm¬ 
ten Abständen der verglichenen Reize vorhanden ist. Zu 
den bis dahin bekannt gewordenen Grenzabweichungen würde
        

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