Bauhaus-Universität Weimar

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Anhang III. Zusätze und Berichtigungen. 
die für Seewasser bestimmten des Zitterrochen kleine Kraft und kleinen 
Widerstand haben. Das Bestreben, dies Verhalten etwas genauer zu 
ergründen, führt zunächst auf die Frage nach dem verhältnissmässigen 
Widerstande von Süss- und Seewasser. 
Bei Gelegenheit seiner Versuche, den Zitterrochen-Schlag mittels ge¬ 
meiner Elektricität nachzuahmen, sagt Cavendish, dass „Seewasser oder 
„eine Lösung von einem Theile Salz in dreissig Theilen hundertmal 
„besser leite als Regenwasser“.1 
Erst kürzlich erfuhr man aus den von Maxwell herausgegebenen 
Versuchsprotocollen Cavendish’s, wie er zu diesem Ergebniss gelangte. 
Er führte den Schlag zweier Leydener Flaschen, deren stets gleiche 
Ladung ein Strohhalm-Elektroskop verbürgte, einem langen und weiten, 
mit der zu prüfenden Flüssigkeit gefüllten Thermometerrohre durch 
zwei Drähte zu, deren Abstand bei jeder Flüssigkeit geändert wurde, 
bis man den Schlag eben im Elbogen spürte. Bei Seewasser betrug 
dieser Abstand 19 1/2, bei Regen wasser 0*19 Zoll. „Therefore resistance 
of sea water is about 100 times less than that of rain water.“3 
Fünfzig Jahre später tauchte Marianini ein Plattenpaar in dest.il- 
lirtes Wasser, und ein anderes von derselben Beschaffenheit, aber fünf¬ 
mal geringerer Oberfläche, in See wasser. Im letzteren Fall erhielt er 
an einer einfachen, mit einem Hütchen auf einer Spitze spielenden Magnet¬ 
nadel, über welche der Leitungsdraht hingespannt war, zwanzigmal grössere 
Ablenkungen als im ersteren. Daraus schloss er auf hundertmal bessere 
Leitung durch das Seewasser, wie schon Cavendish gefunden habe. 
Uebrigens achtete Marianini auf die Temperatur, welche bei Cavendish 
nicht erwähnt wird.3 
Dass seitdem bis zu unseren Tagen kein Versuch mehr gemacht 
wurde, das Leitvermögen von Seewasser zu bestimmen, erklärt sich aus 
zwei Gründen. Erstens begriff man jetzt die durch Polarisation und 
Uebergangswiderstand der Widerstandsmessung von Elektrolyten berei¬ 
teten Schwierigkeiten; zweitens hatte man, abgesehen von den nach 
Ampere die Erde umkreisenden Strömen, keine Veranlassung, ein zu¬ 
fälliges und veränderliches Gemenge wie Seewasser auf seine elektrischen 
1 Philosophical Transactions etc. 1776. Vol. LXVI. P. I. p. 198; — Clerk 
Maxwell’s Ausgabe von Cavendish’s elektrischen Untersuchungen (s. obeu S. 159. 
Anm. 2), p. 195. 
2 L. c. p. 262. 
3 Annales de Chimie et de Physique. 1826. t. XXXIII. p. 152; — Schweig- 
ger’s und Schweigger-Seidel’s Jahrbuch der Chemie und Physik. Bd. XIX. 
1827. S. 295.
        

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