Bauhaus-Universität Weimar

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1. Abschn. § I. 2. Gebiss 
2. Sonstige äusserliche Besonderheiten des Zitteraales. 
An der breiten Mundöffnung ragt der Unterkiefer etwas vor, was 
dem Gesichtsausdruck, sagt Dr. Sachs, etwas Wildes und Unheimliches 
giebt.1 Yorspringen des Unterkiefers ist bei Fischen nicht ungewöhn¬ 
lich (man denke an das Os Tincae der Anthropotomie), und meinem Ge¬ 
fühl nach giebt es deren viel, auf welche Dr. Sachs’ Bemerkung besser 
passt als auf den Zitteraal. Mir sieht er in den verschiedensten Ab¬ 
bildungen, ja bei Dr. Sachs selber (Fig. 1), nicht sehr charaktervoll und 
eher milde aus. Der Ausdruck in Fig. 2, der mit dem in Dr. Sachs’ 
Figur freilich contrastirt, ist der eines guten Weingeistexemplares. 
Yor der einfachen Zahnreihe befindet sich eine lcm breite knorpelig 
anzufühlende Lippenfläche, die dunkelgrün, in den Mundwinkeln gelb ge¬ 
färbt ist. Die Zähne sind sehr klein und ragen äusserst wenig hervor. 
Einen bis anderthalb Centimeter hinter den Zähnen fangen korallenartige, 
verzweigte, rothe, fast centimeterhohe Papillen an, welche den Boden und 
namentlich die Decke der Mundhöhle einnehmen, während die Seiten¬ 
wände davon frei bleiben; doch sind auch die Kiemenbögen, mit Aus¬ 
nahme des Kiemenblättchen tragenden Theiles, damit besetzt. Man wird 
beim ersten Blick versucht, diesen bisher wenig beachteten2 merk¬ 
würdigen Gebilden eine Verrichtung zuzuschreiben ähn¬ 
lich der der Walthierbarten, nur dass die Speiseröhre des 
Zitteraales gerade auffallend weit, und das Thier keines- 
weges auf kleine Beute beschränkt ist. Wir kommen auf 
die Papillen noch zurück (s. unten § III. XI. XYI. 2). 
Etwa in der Querebene des Afters (s. unten) springen 
(Tagebuchskizze.) jm Schlunde vier, paarweise hintereinander stehende zahn¬ 
tragende Knochenplatten vor. S. Fig. 5, deren Orientirung aber aus dem 
Tagebuch nicht erhellt.3 
Fig. 5. 
as 
1 Llanos, S. 152. 
2 Die erste mir bekannte Nachricht davon findet sich bei Bajon (s. oben S. 7. 
Anm. 4: — Bozier, Observations etc. L. c. 56; — Mémoires etc. L. c. p. 320). 
Dann folgt Samuel Fahlberg, der 1797 in Stockholm einen Zitteraal lebend be¬ 
obachtete (Kongl. Yetenskaps Academiens Nya Handlingar. Tom. XXII. För Ar 1801. 
p. 130. — Fahlberg’s in mancher Beziehung wichtige Abhandlung ist ausgezogen 
in Gilbert’s Annalen der Physik. 1803. Bd. XIV. S. 416, jedoch mit Weglassung 
des anatomischen Theils. Viele Autoren nennen Fahlberg fälschlich Fahlenberg, 
indem sie ihn mit dem Schwedischen Botaniker Wahlenberg verwechseln). Die 
Papillen sind ferner erwähnt bei Humboldt (Becueil etc. L. c. p. 61), Lacépède 
(L. c. p. 153) und Guisan (L. c. p. 5). Abgebildet hat sie delle Chiaie, jedoch 
Dr. Sachs’ Beschreibung wenig entsprechend (Descrizione, Anatomia e potere elettrico 
del Gimnoto della Beal Casa. L. c. p. 93. 103. Tav. XLIX. 1, 2). 
3 In Kaup’s Uebersicht der Gymnotidae in Troschel’s (Wiegmann-Erichson’s) 
Archiv für Naturgeschichte. XXII. Jahrgang. 1856. Bd. I. S. 86 heisst es vom
        

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