Bauhaus-Universität Weimar

286 3. Abschu. § XXXVII. 2. Die Kraft der elektrischen Platte 
(Rh. ?) = 48 n, am Rande 1/80'" = 27 p, dick. Die Dicke der Zitter¬ 
rochen-Platten beträgt am ausgewachsenen Thiere nach Boll höchstens 
9-6a (s. oben S. 279). Schreiben wir dem elektrischen Gewebe der drei 
Zitterfische gleiche specifische Kraft, d. h. gleichen Potentialunterschied 
für die Längeneinheit zu, so sind also die Elemente des Zitteraal- und 
Zitterwels-Organes nicht bloss zahlreicher, sondern auch an sich stärker, 
als die des Zitterrochen-Organes, und erst so wird der Unterschied im 
Bane der verschiedenen Organe verständlich. Es hätte keinen Sinn, dass 
im Zitteraal- und Zitterwels-Organe Platten gleicher Kraft mit denen des 
Zitterrochen-Organes, nur dicker, vorkämen, dass die den Sprung im Po¬ 
tential enthaltenden, elektromotorischen Flächen weiter auseinandergerückt 
wären. Dadurch wäre nur der Widerstand vergrössert, die Wirkung ge¬ 
schwächt. Setzen wir dagegen die Kraft der Platten ihrer Dicke propor¬ 
tional, so verhält sich hei obigen Maassen, die Kraft eines Stückes Zitter¬ 
aal-Organ von gleicher Länge mit den Säulen des Zitterrochen-Organes 
zu deren Kraft etwa wie 10 x 82 : 30 x 9*6, oder wie 2*85 : 1; die 
Kraft des ganzen Zitteraal- zu der des Zitterrochen-Organs aber wie 
6000 x 82 : 400 x 9*6, oder etwa wie 128 : 1. 
Das oben S. 14 ff. aus Humboldt’s und Dr. Sachs’ Messungen 
und Wägungen von mir abgeleitete Wachsthumsgesetz des Zitteraales 
kommt hier wieder in Betracht. Die grössere Stärke grösserer Zitteraale 
beruht auf der grösseren Kraft, nicht auf dem geringeren Widerstand 
ihrer Organe, und die grössere Kraft erscheint als gesetzmässige Folge 
der grösseren Plattendicke. 
Auch der Bau des Zitterwels-Organes wird nun erst ganz begreiflich. 
Nur wenn die Zitterwels-Platten ihrer Dicke proportional in der Mitte 
stärker wirken als am Rande, leistet Erfüllung des Raumes mit stumpf- 
pyramidalen Platten dasselbe wie Erfüllung mit gleich dicken Platten. 
Ob bei Zitterrochen und Zitteraal sich zu der in der Platte ent¬ 
wickelten Kraft die Stromschwankung der Nervenendquerschnitte hinzu¬ 
füge, wie oben vermuthet wurde, lässt sich nicht sagen. Die grosse 
Dünne der elektrischen Platte heim Zitterrochen im Vergleich zum Zitter¬ 
aale, ja selbst zum Zitterweise, könnte die Vorstellung erwecken, als be¬ 
ruhe vielleicht heim Zitterrochen, der nur geringer Kraft bedarf, der 
Schlag allein auf der Stromschwankung, und als diene die Platte nur 
der Nervenausbreitung zur Stütze. Hier wäre dann Boll’s Hypothese 
richtig, während beim Zitteraal die Platten ihre Wirkung zur Schwan¬ 
kung hinzufügen würden. Diese Vorstellung ist jedoch unverträglich 
mit der histologischen Natur der Zitterrochen-Platte, ihrer Entstehung 
aus embryonaler Muskelsubstanz. Gerade am Zitterrochen und dem ge¬ 
meinen Rochen ist Hr. Babuchin zur Unterscheidung des nervösen und
        

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