Bauhaus-Universität Weimar

gegen Hm. De Sanctis und Hrn. Steiner. 
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etwas Wesentliches an der Sache nicht geändert, da nie behauptet 
wurde, dass die Zitterfische absolut immun gegen elektrische Ströme 
seien. Vielmehr beschrieb ich selber am Zitterwelse Bewegungen der 
Bartfäden auf elektrische Reizung, sowie die zweckmässige Stellung, 
welche der Fisch im Versuchstroge einnahm, um von den das Wasser 
erfüllenden Stromcurven möglichst schwach getroffen zu werden (s. oben 
S. 259). 
Ja ich gehe noch weiter, und behaupte, dass zweckmässigerweise 
die Zitterfische gegen ihren eigenen Schlag gar nicht in dem Sinn 
immun sein dürfen, dass sie ihn nicht empfinden. Denn dann könnten 
sie ihn nicht mit dem Willen beherrschen, sie wüssten nicht, dass und 
wie stark sie schlagen. Weil centrifugale Nerven ihrer Anordnung nach 
nicht sensibel sind, werden wir uns ihrer Actionen nur in Gestalt da¬ 
durch hervorgerufener, jene Actionen begleitender Empfindungen bewusst. 
Wir ziehen nicht willkürlich Muskeln zusammen, sondern wir bringen 
willkürlich Lageveränderungen unserer Glieder,1 Verschiebungen von 
Bildern in unserem Sehfeld, Klänge mit unserem Stimm- und Sprech- 
ornaii hervor. So muss auch der Zitterfisch sich seines Schlages in Ge- 
o 
stalt irgend einer Empfindung bewusst werden, die nur für ihn nicht 
mit Zuckung verbunden und so qualvoll betäubend ist, wie die, welche 
derselbe Schlag seinem Feind oder Opfer verursacht. 
Andererseits begreife ich nicht, was es nützt, an der relativen 
Immunität der Zitterfische zu mäkeln, wenn es doch einmal feststeht, 
dass ein Zitterwels vergnügt in einem elektrischen Bade schwimmt, 
welches jedem anderen Fisch binnen kurzer Zeit tödtlich wird. Fand 
doch auch Hr. Steiner in den unvollkommenen Versuchen am Zitter¬ 
rochen, welche anzustellen ihm seine Mittel allein erlaubten, den Zitter¬ 
rochen im Vergleich zu einem anderen Seefisch (Mugil cephalus) unter¬ 
empfindlich für fremde galvanische Ströme.2 Und wenn wirklich die 
Zitterrochen so heftig von ihrem eigenen Strom ergriffen werden, wie er 
meint, so ist es, nach seiner eigenen Bemerkung, um so wunderbarer, 
dass sie sich und ihrer Brut durch ihre Schläge nicht schaden. 
1 Nur solche Muskeln kann man einzeln, ohne Bewegung eines Gliedes zu 
beabsichtigen, zur Zusammenziehung bringen, welche dadurch in sinnfälliger Weise 
ihre Lage und Gestalt ändern, wie beispielsweise der M. biceps brachii und der 
M. vastus internus. Vergl. meine Kritik der LiNG’schen Gymnastik in: Ueber das 
Barrenturnen und über die sogenannte rationelle Gymnastik u. s. w. von E. du Bois- 
Beymond. Berlin 1862. S. 20. 21. Anm. 
2 A. a. 0. S. 697. — Besonders interessant wäre es, die Empfindlichkeit des 
Zitterrochen und des mit einem unvollkommenen elektrischen Organ (s. oben fe. 68) 
versehenen gemeinen Boclien gegen elektrische Schläge zu vergleichen.
        

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