Bauhaus-Universität Weimar

am Zitterrochen. 
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noch Schläge zu entlocken, es in Mund und Kiemen reizen; so lebte es 
noch vierzig Minuten, während welcher es stärker oder schwächer schlug. 
Diese ganz rohen Versuche hat Matteucci nach seiner Art von 
1837 bis 1844 sehr oft bekannt gemacht;1 dann heisst es im Traité: 
„Führt man in den Magen lebender Zitterrochen Lösungen von Opium 
„oder Kux vomica ein, so sind die Wirkungen minder heftig. Einige 
„Zeit nach dem Einflössen dieser Lösungen geben die Zitterrochen kein 
„Lebenszeichen mehr; man würde sie für eingeschlafen halten; nimmt 
„man sie aus dem Wasser, so genügt es, irgend eine Körperstelle leicht 
„zu berühren, ja den Tisch zu erschüttern, um angelegte Froschpräparate 
„zucken zu sehen.“ Am besten gelinge der Versuch, wenn man alko¬ 
holisches Brechnussextract in Wasser mit Chlorwasserstoffsäure löse, und 
eine Unze dieser Lösung, von der aber nicht gesagt wird, wie stark sie 
sein soll, in den Magen des Zitterrochen bringe. Nach acht bis zehn 
Minuten befinde sich das Thier schon im Reflexstadium.2 
Boll hat Matteucci’s Versuche wiederholt und seine Ergebnisse 
mit Strychnin im Allgemeinen bestätigt gefunden. Er fügt die Be¬ 
merkung hinzu, dass ganz ähnlich „wie sich am strychninisirten Kanin¬ 
chen die Ohren spitzen, so richten sich an der strychninisirten Torpedo 
„in ebenso charakteristischer Weise die beiden Schwanzflossen steil aufrecht, 
„so dass man stets schon durch das blosse Hinsehen erkennen kann, wann 
„das Grift gewirkt hat.“ Dagegen Matteucci’s Angabe, dass auch das 
salzsaure Morphium die Reflexerregbarkeit erhöhe wie das Strychnin, hat 
Bull nie bestätigt gefunden, und er „kann nur annehmen, dass Mat- 
„teucci entweder sich durch ein unreines Präparat oder durch ein pro- 
„trahirtes Stadium excitationis, welches namentlich bei kleinen Dosen 
„nicht selten besonders stark ausgesprochen erscheint, hat täuschen 
„lassen.“3 Aber drei Oran Morphium sind keine kleine Gabe. 
Hr. Makey hat sich vielfach der Strychninvergiftung bedient, um 
leicht und sicher reflectorische Entladungen am Zitterrochen zu erhalten, 
und hat den zeitlichen Verlauf des elektrischen Strychnintetanus gra¬ 
phisch aufgenommen. Um die Thiere zu vergiften, löste er Strychnin 
im Seewasser ihres Behälters auf.4 
1 S. unter anderen: Bibliothèque universelle de Genève. Nouvelle Serie. 1837. 
t. XII. p. 178; — Annales de Chimie et de Physique. 1837. t. LXVI. p. 412; — 
Essai sur les Phénomènes électriques des Animaux. Paris 1840. p. 56; — Comptes 
rendus etc. 1843. t. XYI. p. 455; — Traité des Phénomènes électro-physiologiques 
des Animaux. Paris 1844. p. 161. 
2 L. c. p. 162. 163. 
3 Reichert’s und du Bois-Reymokd’s Archiv für Anatomie, Physiologie u. s. w. 
1873. S. 92—94. 
4 Travaux du Laboratoire de M.Marey etc. III. Année 1877. Paris 1877. p. 18.55.
        

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