Bauhaus-Universität Weimar

164 3. Abschn. § XXII. 6. Jodkalium-Elektrolyse 
dass der Zitterwels-Schlag hin- und hergehe. Teleologisch erschien dies 
sehr annehmbar, und aus dem Erfolg an der Bussole liess sich nichts 
dawider entnehmen. Allein es gab noch eine andere Deutung der Er¬ 
scheinung. Ich selber hatte viel früher darauf aufmerksam gemacht, 
dass man in Inductionskreisen, durch welche ganz unzweifelhaft ein 
Schlag nur in der einen Richtung geht, gleichfalls unter beiden Platin¬ 
spitzen des Jodkalium -Elektrolysators Flecke erhält. Der Fleck unter 
der ursprünglich negativen Spitze, den ich den secundären nenne, ver¬ 
dankt seinen Ursprung dem Strom der Ladungen, welche die Platin¬ 
spitzen in der Jodkaliumlösung unter dem Einfluss des Inductionsstromes 
annehmen, und welche sich durch den naturgemäss geschlossen bleiben¬ 
den Kreis abgleichen. Aehnlich hier: wie schnell nach dem Anschlägen 
des Froschweckers man auch die Sättel vom Fisch wieder abhebe, der 
Polarisationsstrom hat Zeit, einen secundären Fleck zu entwickeln. 
Gelegentlich der Erfahrung am Zitterwelse untersuchte ich zunächst 
genauer die Bildung des secundären Jodfleckes in Kreisen, welche nach 
Aufhören des Stromes geschlossen bleiben. Ausser an Inductionsvor- 
richtungen verschafft man sich solche Kreise, indem man den Elektro- 
lysator in eine von zwei Zweigleitungen einschaltet; beim Oeffnen der 
Hauptleitung bilden die Zweigleitungen den geschlossen bleibenden Kreis. 
Ich fand so, dass der secundäre Fleck vermisst wird, wenn die Elektri- 
citätsmenge, welche in der Zeiteinheit durch den Elektrolysator geht, 
eine gewisse Grösse übersteigt. Doch sieht man den secundären Fleck 
auch dann noch erscheinen, wenn man die negative Spitze entweder ab¬ 
wischt, oder dem Jodkaliumpapier an einer neuen Stelle aufsetzt, wäh¬ 
rend die positive Spitze unberührt und unverrückt bleibt. Bringt man in 
den Kreis ausser den Platinspitzen auf Jodkaliumpapier noch ein Platin¬ 
elektrodenpaar in verdünnter Schwefelsäure, so wird dagegen der secun¬ 
däre Fleck grösser als der primäre, oder er erscheint unter Umständen, 
unter welchen er mit den Platinspitzen allein ausgeblieben wäre. 
Das Ausbleiben des Fleckes nach längerer und stärkerer Elektrolyse 
beruht auf dem der Kathode anhaftenden Kali. Doch will ich hier nicht 
weiter in das Einzelne dieser Versuche eingehen, aus denen sich schliess¬ 
lich ergab, dass dabei secundäre Elektrolyse des Jodkaliums durch Ozon 
eine Hauptrolle spielt, so dass beispielsweise auf einer siedeheissen Glas¬ 
platte, auf welcher keine Ozonbildung stattfindet, der secundäre Fleck 
auch nicht erscheint, während der primäre Fleck unverändert bleibt. 
Nachdem ich dann mit dem Froschunterbrecher die Polarisation von 
Platinelektroden durch den Zitterwels-Schlag nachgewiesen hatte, bewies 
ich auf jede mögliche Art, wieder mit dem Froschunterbrecher, dass 
der durch diesen Schlag an der negativen Spitze erzeugte Jodfleck nichts
        

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