Bauhaus-Universität Weimar

Anzeige und Nekrolog. 
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Leistungsfähigkeit, seinem frischen, allen Eindrücken offenen Wesen, 
welches aber nie aus einem gewissen vornehmen Gleichgewichte kam, 
bei seinen mannigfaltigen Kenntnissen, endlich seinem Sinn für Humor 
gelang es Dr. Sachs während einer Arbeit, die wohl fast jeden Anderen 
gänzlich beansprucht hätte, eine Fülle pikanter Wahrnehmungen und 
farbiger Bilder auf den verschiedensten Gebieten des Natur- und Menschen¬ 
lebens zu sammeln. Geographie, physikalische Geographie und Meteorologie; 
Zoologie und Botanik; Pharmakologie und Medicin; Anthropologie und 
Ethnographie; Politik, Statistik und Volkswirtschaft werden nach Ge¬ 
legenheit berücksichtigt. Die Schilderung des Weihnachtsfestes in Calabozo 
und der Fiesta in Guarda Tinäjas führt uns in die Volkssitten der von 
einem bunten Rassengemisch bewohnten Llanos ein, und fesselt durch 
ihre lebendige Anschaulichkeit und durch manchen feinen Zug auch 
Den, welchem diese Scenen schon aus früherer Lectüre, etwa des PAEz’schen 
Buches,13 einigermaassen bekannt sind. Ein wahres Cabinetsstück ist die 
elektrische Soirée, welche Dr. Sachs den Calabocenos gibt, um ihre Neu¬ 
gier ein für alle Mal zu stillen, sowie die Geschichte des ersten nach 
Calabozo gelangten Pianino’s, und der vergeblichen Bemühungen des 
Reisenden, die Lianeros für die Wagner’sehe Muse zu gewinnen. 
Der Winter verstrich; das lichtere Blau des Himmels verkündete 
die nahende Regenzeit, und Dr. Sachs schickte, sich an, mit einer Ladung 
lebender Gymnoten die Steppe nach Camaguan am Rio Portugueza zu 
kreuzen. Der mühselige Ritt durch die Steppe im Schritt hinter dem 
Gymnotus-Karren, die Fahrt im leichten Kahn nach San Fernando am 
Apure, im offenen Flussfahrzeug nach der ansehnlichen Handelsstadt 
Ciudad Bolivar am Orinoco, der Aufenthalt dort, die Dampfschifffahrt 
nach Trinidad und endlich zurück nach St. Thomas füllen den Rest des 
Buches. Auf sandigem Ufer des Urwaldes, von Krokodilen umdrängt, 
von Mosquitos verzehrt, verbringt der Reisende eine ängstliche Nacht, 
während welcher das Gebrüll des Jaguars aus nächster Nähe ertönt; 
meerähnlich öffnet sich der Blick auf den Orinoco; wunderlich ist das 
Treiben in Ciudad Bolivar, in dessen glänzenden Kaufläden die modisch 
gekleidete junge deutsche Kaufmannsfrau und die nackten rothhäutigen 
Töchter der nahen Wildniss sich begegnen und vom blonden Hamburger 
Commis gleich höflich bedient werden; zu rasch tragen uns zuletzt Dampf 
und Strömung durch die Blüthenpracht des Orinoco-Delta’s. 
Dr. Sachs’ Buch ist mit ungemeinem Geschick geschrieben. Hinter 
anmuthiger Nachlässigkeit, welche immerhin manchen Fehler durchlässt, 
birgt sich jene halb unbewusste tiefe Kunst der Darstellung, wie sie das 
Ergebnis« vollkommener Gegenständlichkeit und Unbefangenheit bei ge¬ 
nügender Cultur und vorzüglich bei grossem Talent ist. Dr. Sachs
        

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